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Der Brunnen auf dem Altstadtmarkt

 

Foto: W.Grevecke

 

in Braunschweig

 

 

 

 

 

 

 

Erstellt als Examensarbeit zur ersten Prfung fr das Lehramt an Volksschulen im Oktober 1963

 

Werner Grevecke

 


 

Gliederung

A. Die Bedeutung der Brunnen im Mittelalter

B. Der Brunnen auf dem Altstadtmarkt in Braunschweig

I. Die Geschichte des Brunnens von 1408 bis zur Gegenwart

1. Die Herstellung des Brunnens im Jahre 14O8

a) Braunschweig um 1400

b) Die Herstellung des Brunnens

2. Die weitere Geschichte des Brunnens

3. Die Vernichtung des Brunnens im 2. Weltkrieg und die Wiederherstellung durch Werner Kump

II. Der geistige Gehalt des Brunnens

1. Gesamtbeschreibung

2. Der Brunnen als Ausdruck seiner Zeit

3. Figuren und Darstellungen

a) Die Inschrift am Unterbecken

b) Die Prophetenreihe

c) Die Wappen am Mittelbecken

d) Ornamente und Einzelfiguren

III. Die Form des Brunnens

1. Die bildende Kunst am Ende des 14. Jahrhunderts

2. Die Entwicklung der Brunnen bis etwa 150O

3. Die Form des Brunnens

a) Die Stilelemente

b) Der Wasserverlauf

c) Die mathematischen Grundlagen

4. Die neuen Figuren von Werner Kump

5. Ein Vergleich mit dem "Schnen Brunnen" in Nrnberg

C. Der Brunnen in der heutigen Zeit


A. Die Bedeutung der Brunnen im Mittelalter

In allen Kulturen hing das Bestehen von Siedlungen von der Wasserversorgung ab. Mit dem Anwachsen der Stdte wurde auch die Sorge um frisches und sauberes Trinkwasser immer grer, denn man hatte im Laufe der Zeit gelernt, da sich nicht jedes Wasser als Trinkwasser fr den Menschen eignete. Aus diesem Grunde begannen die Bewohner nach Quellen zu suchen, die ihnen das bentigte Wasser in ausreichenden Mengen lieferten. Reichten die vorhandenen Brunnen fr die Bevlkerung einer Stadt nicht aus, baute man Wasserleitungen, die das Wasser von entfernteren Brunnen an den wasserarmen Ort befrderten. Als Beispiel fr die Wasserversorgung in einer mittelalterlichen Stadt mag in diesem Rahmen die Stadt Braunschweig gelten.

In Braunschweig gab es um die Wende des 14. zum 15. Jahrhundert zwei Wasserleitungen. Wann diese Leitungen gebaut wurden, kann heute nicht mehr genau ermittelt werden. Die lteste Leitung fhrte von Westen nach Osten. Die Quelle war der Jdebrunnen auf dem Gelnde der ehemaligen Jugendherberge an der alten Broitzemer Strae, heute Mnchenstrae vor der Autobahnbrcke. Die Leitung endete in den Brunnen auf dem Altstadt- und Kohlmarkt. Die zweite Wasserleitung fhrte von Osten nach Westen. Die Quelle, in alten Urkunden auch der "neue Brunnen" genannt, lag ebenfalls auerhalb der damaligen Stadt, etwa auf dem heutigen Gelnde zwischen Wiesenstrae, Steinbrecherstrae und Jasperallee. Diese Leitung endete in den Brunnen des Hagenmarktes und im Kirchhof der St. Katharinenkirche. Die Brunnen lieferten Trinkwasser und standen allen Brgern der Stadt zur Verfgung. Weitere ffentliche Ziehbrunnen, etwa 20, waren in den verschiedenen Stadtteilen vorhanden, aus denen auch die Brauereien der Stadt versorgt wurden.

Auer den ffentlichen Brunnen waren in der Stadt noch eine ganze Reihe privater Brunnen vorhanden, die meistens nur von drei oder vier Familien benutzt und unterhalten wurden.

Fr die Bewohner, die weit von Brunnenanlagen entfernt wohnten, setzte der Rat der Stadt vereidigte Wasserfahrer und -trger ein, von denen die Brger das Wasser kaufen konnten. Die Benutzung der ffentlichen Brunnen war fr alle unentgeltlich. Um den Wasserfahrern, die meistens Nutzwasser transportierten, die langen Wege zu ersparen, erbaute man an der Oker mehrere Fllhuser, in denen sie ihre Fsser nachfllen konnten.

Die Stadtrte achteten sehr scharf auf die Reinhaltung des flieenden Wassers. Wer Unrat und Abflle in die Oker warf, wurde hart bestraft. Das Wasser aus den Rinnsteinen der Straen leitete man erst in so genannte "Schlammkisten", wo das Wasser sich in natrlicher Weise filterte, bevor es in die Oker gelangte. Auch der Schmutz, der sich mit der Zeit auf den Straen und Pltzen der Stadt ansammelte, wurde an besondere Pltze gebracht.

Fr die Frauen waren entlang der Oker mehrere Waschstege gebaut, an denen sie ihre Wsche bequem und mit ausreichendem Wasser waschen konnten. Damit sollte vor allem verhindert werden, dass die Wsche in den ffentlichen Brunnen der Stadt gewaschen wurde.

Fr die krperliche Reinigung der etwa 14.000 Bewohner der Stadt Braunschweig gab es mehrere ffentliche Badestuben. Die Handwerker, die im Dienste des Rates arbeiteten, erhielten wchentlich zustzlich zu ihrem Lohn einen Badepfennig, damit sie die Badestuben besuchen konnten. Auch andere Handwerksmeister zahlten ihren Gesellen diesen Badepfennig, so dass die Bademglichkeit von vielen Bewohnern der Stadt ausgenutzt werden konnte.

In kriegerischen Zeiten waren die Wasserleitungen der Stadt durch ihre Lage auerhalb der Stadtmauern besonders stark bewacht. Herzog Heinrich der Jngere belagerte z. B. im Jahre 1550 die Stadt. Dabei kam es zu einer Schlacht am Jdebrunnen im Westen der Stadt. Die Braunschweiger wurden geschlagen. Da sich die Stadt aber nicht ergeben wollte, lie der Herzog die Wasserleitungen zerschlagen. Etwas spter lie er auch die Oker hinter Eisenbttel aufstauen, um den Braunschweigern das Wasser zu entziehen. Der Plan misslang jedoch, der Damm hielt den riesigen Wasserdruck nicht aus und brach, so dass es in der Stadt zu einer berschwemmung kam. Wenn in der Stadt whrend der Belagerung auch kein ausgesprochener Wassermangel herrschte, das Fehlen einer Leitung und das Versiegen des Okerwassers machten sich in der Stadt doch stark bemerkbar.

Wie in vielen Stdten, so bildeten sich auch in Braunschweig unter den Benutzern Brunnengemeinschaften. An der Spitze einer solchen Gemeinschaft stand der Brunnenmeister, der fr Ordnung und Sauberkeit am Brunnen zu sorgen hatte und die Wasserfahrer und Rhrenleger ("Piepenkerle") bei der Arbeit zu berwachen hatte.

Der Tag der Brunnenreinigung, meistens an Johannis oder Peter und Paul, war ein allgemeiner Festtag der Brunnengemeinschaften. An diesen Tagen wurden oft groe Gelage gefeiert, an denen sich auch der Rat der Stadt mit groen Summen beteiligte. Auer diesen allgemeinen Festtagen, die mehr den ffentlichen Brunnen galten, wurden von den einzelnen Brunnengemeinschaften noch mehrere kleinere Brunnenfeste innerhalb der Nachbarschaft gefeiert.

Die verschiedenen Feste, die sich um den Brunnen der mittelalterlichen Stadt gruppierten, die Sondereinrichtungen wie Schutzgitter gegen Verunreinigung, Waschtrge und -stege, besondere Fischksten und die harten Strafen fr Verfehlungen an Brunnen und flieenden Wassern machen deutlich, mit welcher Sorgfalt die Brunnen als wichtigstes Lebensgut gehtet und verehrt wurden. War es doch der gepflegte Brunnen, der den Brgern das saubere und gesunde Trinkwasser lieferte und damit vor Krankheiten schtzte. Nicht selten wurde durch verunreinigtes Brunnenwasser eine Epidemie ber eine ganze Stadt verbreitet.

Bei Ausbruch eines Feuers hatten sich alle Bewohner mit Eimern am Brunnen zu versammeln. Schnell wurde dann eine Kette gebildet und das Wasser des Brunnens zum Brandherd befrdert. Auch zur grndlichen Straenreinigung wurde nicht selten das Wasser des Brunnens verwendet.

So hat der Brunnen auf dem Marktplatz einer Stadt alle die Verlangen erfllen mssen, die heute an das zentrale Netz der Wasserleitungen gestellt werden. Vom gesunden und reichlichen Wasser eines Brunnens hing oft das Wohl einer ganzen Stadt ab.

B. Der Brunnen auf dem Altstadtmarkt in Braunschweig

I. Die Geschichte des Brunnens von 1408 bis zur Gegenwart

1. Die Herstellung des Brunnens im Jahre 1408

a) Braunschweig um 1400

Am Ende des 14. Jahrhunderts war die Stadt Braunschweig eine der bedeutenden Stdte des "Heiligen Rmischen Reiches Deutscher Nation". Nach der Matrikel des Hanseatischen Bundes aus dem Jahre 1370 stand die Stadt nach Lbeck, Kln und Danzig an vierter Stelle der Beitragszahlenden. Die Hhe der Abgaben an den Hanseatischen Bund richtete sich nicht nach der Anzahl der Einwohner, sondern nach der Menge, die im Jahre in der betreffenden Stadt verkauft wurde. Braunschweig war in dieser Zeit die Hauptstadt des dritten Quartiers. 1)

Es war ein bedeutender Punkt des Warenaustausches. Entscheidend fr des Emporkommen der Stadt waren das schon im Jahre 1198 von Kaiser Otto IV., Sohn Heinrichs des Lwen, verliehene Privileg der Zollfreiheit fr das gesamte Rmische Reich und das Stapelrecht, das schon vor der Aufnahme in den Hanseatischen Bund ausgebt wurde 2).

Die anfangs noch mchtigen Frsten verloren durch die vielen Kriege und Erbfehden allmhlich immer mehr Rechte an die Stadt. Oft konnten die Kriegszge oder Lsegelder nicht aus den Kassen der Frsten bezahlt werden. So borgten sich die Frsten hohe Betrge beim Gemeinen Rat der Stadt und berlieen diesem dafr bestimmte Rechte. Die Herzge Ernst und Magnus I. z. B. verpfndeten im Jahre 1345 ihren Anteil an der Vogtei in der Stadt, ferner die Ansprche auf die Stadtteile Sack und Alte Wyk fr 690 Mark reinen Silbers an den Gemeinen Rat der Stadt Braunschweig 3).

Im gleichen Jahr berlie Herzog Magnus dem Rat und der Brgerschaft seinen Anteil an der Mnze fr drei Jahre 4).

Fast alle an die Stadt Braunschweig verpfndeten Rechte gingen allmhlich ganz in den Besitz der Stadt ber, weil die Frsten die erforderlichen Geldsummen nicht aufbringen konnten, die verpfndeten Rechte zurckzukaufen.

Im Jahre 1374 kam es in der Stadt zu einem Aufstand, der furchtbare Folgen nach sich zog. Die Gelegenheiten, Rechte der Frsten zu pfnden, mehrten sich. Das Geld fr den Erwerb der Rechte versuchte der Rat der Stadt durch Erhhung und Neueinfhrung verschiedener Abgaben von den Brgern zu erhalten. Die Mehrzahl der den Gilden und Znften angehrenden Brger sahen sich durch die bergroen Abgaben belstigt, beschwerten sich vor den Herren des Rates ber die Belastung und forderten eine nderung dieses Zahlungssystems. Der Rat, der sich aus dreizehn Patriziern zusammensetzte und den eigenen Vorteil oft vor die Interessen der gesamten Brgerschaft setzte, lehnte die geforderte nderung des Abgabewesens ab und sann heimlich auf Rache. Whrend einer Ratsversammlung am 17. April 1374, zu der auch die Leiter der Gilden und Znfte eingeladen waren, wurden die Vertreter der Brgerschaft als Aufwiegler gefangen genommen. Den Meistern gelang es, die Brgerschaft zu Hilfe zu rufen. Es kam zu einem blutigen Tumult, der sich allmhlich ber die ganze Stadt verbreitete, und in dem sich der seit langem aufgestaute Zorn ber das ungerechte Abgabewesen entlud. Dabei wurden acht Brgermeister enthauptet und ein Ratsherr, der das Volk beruhigen wollte, auf dem Papenstieg erschlagen. Der brige Adel wurde aus der Stadt vertrieben.

Die Landesfrsten waren zu schwach, um das Volk zu beruhigen und die Nachbarn der Stadt waren zu neidisch auf die Vormachtstellung Braunschweigs, um dem Aufruhr entgegenzutreten. So wurden neue Brgermeister aus den Gilden und Znften gewhlt. Da der Aufstand sich auch gegen reiche Kaufleute der Stadt richtete und bei den Kmpfen auch groe Lagerhuser von auswrtigen Kaufleuten zerstrt worden waren, wurde Braunschweig noch 1374 aus der Hanse ausgestoen.

Durch das Ausbleiben des auslndischen Handels versiegten dem Rat der Stadt und den Brgern die wichtigsten Einnahmequellen. Um die Stadt vor dem Untergang zu bewahren, bemhten sich die Brgermeister schon bald um die Wiederaufnahme in den Bund. Erst 1380 konnte Braunschweig unter schweren Bedingungen wieder in den Bund eintreten.

Nach der Wiederaufnahme in den Bund kehrte jedoch der Handel nicht in dem Umfang nach Braunschweig zurck, wie er vor 1374 bestanden hatte. Von den Zustnden, wie sie sich nach dem Zusammenbruch von 1374 entwickelten, sagte Heinrich Mack: "Nur ein Gutes hatten sie: die Reform von Grund aus machten sie zur unabweislichen Notwendigkeit, und mit der Reform begann eine neue und zwar die glnzendste Epoche in der Finanzverwaltung der Stadt Braunschweig" 5).

Mit der Wiederaufnahme in den Bund kehrten auch die Patrizier in die Stadt zurck. Sie bernahmen wieder die Verwaltung der Stadt, doch die Schulden, die sich in den letzten Jahren stark vermehrt hatten, lasteten schwer auf der Stadtkasse. Unternommene Versuche zur Verminderung der Schulden fhrten nicht zum gewnschten Erfolg.

1386 wurde vom Rat eine Ordnung vorgeschlagen, die auch den Gilden und der Brgerschaft die volle Teilnahme an der Ratsgewalt verbrgte. Zu den tchtigsten Mnnern des alten Rates kamen nun die Vertreter der Gilden und Brgerschaft. "Kein Zufall war es, dass erst diesem neuen Rat das Werk gelang, dessen Beginn, Fortgang und Ende die "Heimliche Rechenschaft schildert. Und eben dieses Werk war erst die vollkommene Shne fr das Unrecht von 1374 wie fr alle frheren6). Missstnde innerhalb der Stadt wurden aufgedeckt und abgestellt, Kriege und Streit mit den Nachbarn vermieden, Unrentable Besitzungen wurden verkauft und der Erls fr die Schuldendeckung verwendet.

Am Ende des Jahrhunderts hatte der Rat der Stadt wieder gengend Mittel, frstliche Rechte und Besitzungen durch angenommene Verpfndungen zu bekommen. Es machte sich unter den Patriziern der Stadt ein starkes Streben nach Reichsunmittelbarkeit bemerkbar, weil sie die Abhngigkeit vom Landesfrsten als eine Ungerechtigkeit betrachteten. Herzog Friedrich, der Erbherr der Stadt Braunschweig, hatte seinen Vormund Herzog Otto von Gttingen aus Wolfenbttel vertrieben und seine Residenz dort aufgenommen. Friedrich strebte nach der deutschen Kaiserkrone, wurde jedoch von Friedrich von Hartinghausen am 5. Juni 1400 in Klein-Englis bei Fritzlar ermordet. Gegen den Urheber der Tat, Erzbischof Johann von Mainz, der den Pfalzgrafen Ruprecht auf den deutschen Thron erheben wollte, begannen Friedrichs Brder Heinrich und Bernhard eine blutige Fehde. Heinrich wurde gefangen und gegen ein Lsegeld von 37.000 Goldgulden entlassen. Diese Summe konnte Bernhard nur durch neue Verpfndungen an die Stadt Braunschweig aufbringen. So kam die Stadt in den vollen Besitz der Zoll- und Mnzrechte7), in die restlichen Eigentumsrechte des Weichbildes Sack und an den Gerichten Eich, Wendhausen, Asseburg, Vechelde und Schningen. Der Streit im Frstenhause hrte jedoch nicht auf. Im Jahre 1409 kam es zu einer neuen Landesteilung, wonach Heinrich das Lneburgische und Bernhard das Wolfenbttelsche und Kalenbergische Land erhielten. Die Stdte Braunschweig und Lneburg gehrten ihnen gemeinsam. Dieser Vertrag war schon 1416 wieder ein Streitobjekt, so dass er in diesem und in folgenden Jahren zu neuen Landesteilungen fhrte.

Die Reichsunmittelbarkeit der Stadt war im Jahre 1402 fast erreicht. Der Rat der Stadt, der bei allen Gelegenheiten mit dem kaiserlichen Hof in Verbindung zu kommen suchte, erhielt von Kaiser Rudolph II. in diesem Jahr das Privileg, "da zwei Personen aus dem Rathe die Stelle der Stadt bei allen Gerichten vertreten durften, und im Jahre 1415 ward jenes Privilegium dahin ausgedehnt, da Braunschweigische Brger in peinlichen und Civilsachen blo vor den Stadtgerichten belangt werden knnten"8).

In diese vorteilhafte Periode fllt nicht nur die Herstellung des Brunnens auf dem Altstadtmarkt. Die Verbesserung des Gewandhauses, die Erweiterung und Verschnerung des Rathauses der Altstadt und vieler anderer stdtischer Gebude, die Verbesserung der Mhlen und der Befestigungen der Stadt lassen darauf schlieen, dass der Gemeine Rat der Stadt nicht nur bemht war, die Stadt von Schulden zu befreien. Die Bauwerke bezeugen, dass der Rat sich ebenfalls bemhte, die Stadt zu verbessern und zu verschnern.

b) Die Herstellung des Brunnens

ber die Herstellung des Brunnens sind keine Dokumente erhalten geblieben. Die Stadt war im 13. und 14. Jahrhundert als Stapel- und Handelsplatz fr Grubenerde und Metalle bekannt, die aus den Bergwerken des Harzes herangefahren wurden. Kohlenmagazine befanden sich auf dem Kohlemarkte, dem heutigen Kohlmarkt. Zur gleichen Zeit befanden sich "auf dem Bruche an der Drallen Riede" 9), an einem Okerarm in der Umgebung des heutigen Stadtbades, mehrere Treib- oder Giehtten, die der Stadt gehrten. In diesen Htten wurde das Metall gewonnen, das die Handwerker der Stadt fr ihre Arbeiten bentigten. Am Anfang des 15. Jahrhunderts stand die Braunschweiger Giekunst in groer Blte. 1407 wurde ein Brunnen fr den Hagenmarkt gegossen, 1408 der Brunnen auf dem Altstadtmarkt, 1411 die "faule Mette" 10) und einige andere groe Geschtze bis zum Jahre 1416. Aus der Zusammenstellung dieser groen Giewerke lsst sich schlieen, dass ein oder zwei Meister die Hersteller der Werkstcke waren. In der Kanonengieerei der Stadt arbeiteten zu der fraglichen Zeit die beiden geschickten Metallarbeiter Henning Bussenschutte und Bertold von Melverode, die die "faule Mette" gossen. Von 1414 bis 1416 wurden mehrere groe Geschtze von Hinrik Heysterbom aus Gttingen gegossen. Sack berichtet (a. a. 0. S. 75), dass Heysterbom das Geschtz gegossen habe, fhrt jedoch das Fehlen genauer "archivalischer Nachrichten" an.

"Zu gleicher Zeit wurden von den Glockengieern Ludelof, Vater und Sohn, in Braunschweig Bronzeglocken gegossen" 11). Die Brunnen aus den Jahren 1407 und 1408 knnen von einem Meister hergestellt worden sein, dessen Name wahrscheinlich unbekannt bleiben wird.

Urkundlich sind aus der Zeit des 13. und 14. Jahrhunderts nur die Treibhtten der Stadt bekannt, die vor den Toren der damaligen Stadt lagen. Sacks Vermutung, dass in diesen Gieereien die Erze der Harzbergwerke verarbeitet wurden, besttigten die auf Kumps Veranlassung durchgefhrten Materialanalysen an den Resten des zerstrten Brunnens. Die Blei-Kupfer-Htte in Oker, wo die Untersuchungen gemacht wurden, teilte am 9.11.1946 mit: "Das Brunnenblei ist so genanntes "historisches Blei". Typisch ist sein Gehalt an Antimon, Silber und Kupfer" 12). Am 7.7.1947 wurde mitgeteilt: "Was das Herkommen des Bleis betrifft, so kann man aus dem (hheren) Wismutgehalt mit einiger Wahrscheinlichkeit schlieen, dass das verwendete Blei aus Rammelsberger Erzen stammt" 13). Insgesamt wurden sieben Analysen durchgefhrt, vier in der Blei-Kupfer-Htte in Oker, zwei in den Braunschweiger Httenwerken und eine in der Gieerei der MIAG Braunschweig. Die Analysen geben nicht nur Auskunft ber die Herkunft des Materials, die Ergebnisse lieen auch Rckschlsse auf die Herstellungstechnik des Brunnens zu. Dass die Inschriften und Figuren nicht nachtrglich eingeschnitten oder mit den Becken zugleich geformt und gegossen waren, hatte Sack 1841 schon festgestellt. Er schreibt: "Das Merkwrdigste sind nun die zwei Reihen Inschriften und die dazwischen stehenden Rosetten der beiden unteren Becken. Eine genaue Untersuchung ergibt, dass jeder Buchstabe einzeln aus Blei gefertigt, nebst den Rosetten auf eine Bleileiste genietet, diese um die Becken geschlagen und durch Niete an denselben befestigt ist 14).

Die Ergebnisse der Analysen zeigten, dass Sack nur teilweise recht hatte. Die genaue Untersuchung ergab, dass alle Wappen, Ornamente und Verzierungen in einfacher Klempnerarbeit nachtrglich auf die Becken aufgeltet waren. Die Buchstaben wurden einzeln geschnitten, auf Bleibnder geltet und die fertigen Bnder in die vorgesehenen Profilierungen eingeltet. Ohne Vorverzinnung des Grundes war die Schrift bis in kleinste Zwischenrume mit dem Bleiband verbunden. Wie diese Technik mglich war, klrte das Schreiben der Blei-Kupfer-Htte Oker vom 7.7.1947. Die Bnder waren aus Blei, die Buchstaben dagegen massiv aus Ltzinn. Da Ltzinn bei Erwrmung etwas frher flssig wird als Blei, haftet das Material bei sorgfltiger Erwrmung leicht und zuverlssig auf dem Bleigrund.

Noch eine weitere Schwierigkeit lste der Meister bei der Herstellung der Brunnenteile. Bisher war man im Blei- und Zinnguss nicht ber Gegenstnde hinausgekommen, die mehr als drei Zentner wogen. Das dnne und weiche Steigrohr des Brunnens allein konnte das groe Gewicht der Schalen und des Helmwerkes nicht tragen. Der Giemeister legte deshalb in die Mitte der Brunnenteile schmiedeeiserne Armierungen von unterschiedlichen Lngen und Querschnitten, die vllig von Blei umgossen wurden. Bei der Restaurierung um Jahre 1847 wurden diese eisernen Sttzen bereits festgestellt. Die eiserne Armierung gab dem Werk die ntige Festigkeit und verhinderte das Durchsacken der bereinander angebrachten Becken. Das vollstndige Sttzwerk kam bei der Einschmelzung der Brunnenteile im Jahre 1947 so erhalten zum Vorschein, wie es 1408 vom Giemeister eingearbeitet war.

ber die Beschaffenheit der eisernen Sttzen schrieb Gries, der die Analyse der Eisenteile durchfhrte: "Wie die Reinheit des schmiedeeisernen Materials mit seinem uerst geringen Kohlenstoff- und Schwefelgehalt beweist, ist das Material nach dem Rennverfahren erschmolzen und das vorbereitete Eisenerz mit Holzkohle niedergeschmolzen. Dies geschah in Gruben- oder Schachtfen aus Lehm, Bruchsteinen oder Findlingen, die Rennfen oder Rennfeuer genannt wurden." ber die mgliche Herkunft des Materials gibt Gries keine Auskunft.

Schon vor der Aufstellung des Bleibrunnens im Jahre 1408 befand sich ein hlzerner Brunnenstock auf dem Altstadtmarkt. Dieser Brunnen hatte den gleichen Namen wie die Quelle, die ihn speiste. Sein Wasser erhielt der Brunnen aus dem "Joghetborne", einer Quelle, die heute noch ttig ist und auf dem Gelnde der ehemaligen Jugendherberge in Braunschweig an der damaligen Broitzemer Strae, heute Mnchenstrae liegt. Das Wasser wurde etwa 2.000 m weit "...durch sechs Fu tief unter der Erde liegende hlzerne Rhren den so genannten Pipenstieg herunter, neben dem Ant- oder Altfelde vorbei, durch das hohe Thor, unter den ber die Oker fhrenden Brcken hindurch, ber die Sonnenstrae, dem Altenstadt- oder Kohlen-Markte zugefhrt, und ... durch knstlich angelegte Brunnen in die daran befindlichen Wasserbecken..." geleitet. Zum erstenmal wird der Brunnen auf dem Markt in einem Kaufvertrag von 1345 erwhnt, in welchem der Zins von Marktstnden gegenber dem "borne" verkauft wird. Die Wasserleitung wird erstmalig in einer Kmmereirechnung der Altstadt aus dem Jahre 1354 erwhnt, wonach "3 1/2 Pfund Pfennige fr Graben im Altefelde bei dem Joghetborne, 14 Schilling fr 2 Wasserleitungen und zwei Schillinge fr Reparaturen der Wasserbehlter am Brunnen auf dem Altstadtmarkte ... angegeben wurden.

Aus einer Kmmereirechnung der Altstadt von 1388 geht die Beschaffenheit des Brunnens deutlich hervor. Der Zimmermeister der Altstadt bekam damals fr die Erneuerung einer groen und zwei kleinen Brunnensulen 1 1/2 Schilling und dem Schmied, der die Sulen beschmiedete, wurden 4 gute Groschen ausgezahlt 18).

In den vorhandenen Kmmereirechnungen der Altstadt tauchen nun bis 1406 jhrlich hhere Ausgaben fr Reparaturen der Wasserleitung und des Brunnens auf. Der Rat der Stadt scheint im Jahre 1401 eine grndliche Ausbesserung des Brunnens beschlossen zu haben, denn 1402 beginnt man, fr 40 Mark 10 Pfennig die Quelle mit einer Mauer zu umgeben. 1403 werden die Holzrhren auerhalb der Stadt gegen neue Bleirohre ausgewechselt. Innerhalb der Stadt werden die Rohre 1404 stellenweise ausgewechselt. Dafr wurden insgesamt 22 1/2 Mark ausgegeben, und 1405 wurden vom Rat der Altstadt 91 1/2 Mark fr Arbeiten am Brunnen ausgegeben19).

Der neue Bleibrunnen wurde an der Stelle aufgebaut, wo die hlzernen Brunnensulen standen20).

Da die Abrechnungen der Altstadt aus den Jahren 1407 bis 1409 nicht erhalten sind, lassen sich die dem Rat entstandenen Kosten nicht mehr genau ermitteln. Eine Vergleichsmglichkeit jedoch ergeben die Kosten fr die "faule Mette" von 1411.

Das Geschtz kostete den Gemeinen Rat mit allen Unkosten, ohne Geschosse und Pulver, 167 Mark 93 Pfennig und wog insgesamt 160 Zentner 21). Fr einen Zentner Zinn mussten damals 2 1/2 Mark gezahlt werden 22), fr Blei ist wahrscheinlich der gleiche Preis gezahlt worden. Fr 250 Zentner (je 114 Pfund) Material mussten 625 Mark bezahlt werden 23). Da dem Meister 90 Pfennige fr einen Zentner gegossenes Metall gezahlt wurden, erhielt er etwa 60 Mark fr den Guss. Die Herstellung und Montage der vielen Einzelteile des Brunnens erhhten wahrscheinlich die Lohnkosten, so dass etwa 150 Mark Lohn fr Meister und Gehilfen gerechnet werden knnen. Dazu kommen noch die Unkosten fr den Steinsockel und die Transportkosten, so dass der Rat etwa 900 Mark fr diesen Brunnen aufbringen musste. Ob dieser fr die damaligen Verhltnisse besonders hohe Betrag allein von den Verwaltungen der Stadt aufgebracht oder durch Spenden der Gilden, Znfte und der Geistlichkeit der Stadt bezahlt wurde, ist leider nicht bekannt.

Zum Vergleich: Von den Ausgaben fr die Unterhaltung des Brunnens aus dem Jahre 1405 entfielen etwa 64 % auf Lhne. Die meisten Arbeiter standen im Tagelohn. Ein Zimmermann bekam pro Tag 11 Pfennig, wenn er in Kost bei der Stadt lebte, nur 7 Pfennig. Ein Stein- oder Ziegeldecker mit einem Knecht erhielt 18 Pfennig, ohne Knecht 12 Pfennig; Handlangern und ungelernten Arbeitern zahlte die Stadt 5 Pfennig pro Tag.

Ein Kleiderstoff fr einen Herrenanzug aus farbigem Aachener Tuch kostete 30 Pfennig, der Machelohn fr den Anzug 7 bis 10 Pfennig; ein Paar Schuhe kosteten 20 bis 24 Pfennig, eine Tonne Bier 135 Pfennig, ein Pfund Fleisch 1 bis 2 Pfennig, 100 Eier 20 Pfennig.

Die meisten Familien legten sich grere Vorrte an und stellten sich ihre Nahrungsmittel teilweise selbst her, z. B. Brot und Fleischwaren 24).

Ursprnglich hatten alle Brunnen der Stadt den gemeinschaftlichen Namen "joghetborne". Dabei war es gleichgltig, ob von den Quellen oder von den Brunnensulen gesprochen wurde. Allmhlich brgerte sich jedoch der Name "joghetborne" fr Quelle und Brunnen auf dem Altstadtmarkt ein. In den Bchern des Rates werden beide bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts mit diesem Namen bezeichnet. Dann taucht allmhlich der Name "Jugendborn" auf, der im Protokoll des Injurien-Prozesses von 1603 zu finden ist. In einer Rechnung des "Hospitale Beatae Mariae Virginis", aus dem das jetzige Waisenhaus hervorgegangen ist, aus dem Jahre 1661 findet man die Bezeichnung "Jrtbrunnen". In dieser Zeit trennen sich die Benennungen. Whrend mit "Jugendborn" der Brunnen auf dem Markt gemeint wird, bezieht sich der Name "Jrtbrunnen" auf die Quelle. Aus dem "Jrtbrunnen" wird am Ende des 17. Jahrhunderts der Name "Gdebrunnen", der sich bis in das 19. Jahrhundert erhalten hat 25).

Aus der Bezeichnung "Jugendborn" wurde der Name "Jugendbrunnen". Mit dem Namen wurden um 1900 wieder Quelle und Brunnen gemeinschaftlich benannt. Die heutige Stadtverwaltung bezeichnet in ihrem Schriftverkehr den Brunnen auf dem Altstadtmarkt mit dem Namen "Marienbrunnen", die Quelle an der Broitzemer Strae jedoch als "Jdebrunnen". Der Graben, der das Quellwasser in die Schlke abfhrt, wird als "Jdebrunnen-Graben" bezeichnet 26). Der Volksmund nennt den Brunnen auf dem Markt entweder "Jugendbrunnen", "Marienbrunnen" oder ganz schlicht "Brunnen auf dem Altstadtmarkt".


 

2. Die weitere Geschichte des Brunnens

Welche Restaurationen und Vernderungen in den Jahrhunderten nach der Aufstellung des Brunnens im Einzelnen vorgenommen wurden, ist nicht bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass die Laterne des Brunnens vom 16. bis 18. Jahrhundert mehrere Male ausgebessert und verndert wurde. C. G. W. Schiller berichtet in seinem Buch 27) von einer Zeichnung aus dem 18. Jahrhundert, die anstelle des Mawerkes am Helmdach massive, mit Goldornamenten versehene Eisenplatten angibt.

Zu mehreren Huldigungsfeiern wurde das Rathaus auf dem Altstadtmarkt grndlich aufgeputzt und ausgebessert. Figuren bekamen Farbanstriche und Zepter, Kronen und Wappen wurden vergoldet. Derartige Arbeiten wurden zu den Huldigungsfeiern 1616, 1731 und 1830 vorgenommen. Auch 1671 und 1784 wurden am Rathaus Verschnerungsarbeiten gemacht, bei denen auch Vergoldungen vorgenommen wurden. Wahrscheinlich wurde bei diesen Arbeiten auch der Brunnen ausgebessert.

Dass der Brunnen im Laufe der Zeit viel von seinem einstigen Aussehen verloren hatte, beschreibt Sack in seinem Buch von 1841 sehr deutlich. Er schrieb damals u. a.: "Auf diesem (oberen) Becken ruhet in einer ghothischen durchbrochenen Laterne eine kleine Schale, aus welcher noch vor nicht langen Jahren das Wasser durch vier daran in die Hhe kriechende, eidechsenartige Thiere ausgespieen wurde. ... Die Kuppel des Brunnens zierte noch im Jahre 1746 ein Muttergottesbild, wie aus dem groen Beckschen Kupferstiche der St. Martini Kirche zu sehen ist, so wie an der Spitze eine Fahne mit dem Stadtlwen versehen, angebracht war. Beides ist bei irgendeiner Gelegenheit abgenommen und nicht wieder ergnzt.

Nach seiner ersten Vorrichtung muss der Brunnen mit den schnen Bildwerken, den daran befindlichen Eidechsen und Lwenkpfen, aus welchen nicht ber-, sondern zwischen einander das klare Wasser herabfiel, um sich im Becken zu sammeln, eine wahre Zierde des Altenstadtmarktes gewesen sein. Die Lnge der Zeit hat das oberste Becken unbrauchbar und manche Verzierung daran schadhaft gemacht; eine baldige Restauration, wie solche bereits dem steinernen Unterbau zu Theil geworden ist, und eine Versetzung in die Mitte des Marktes, mchte den Nachbarn dieses Brunnens, in dessen Umgebung sich die schnsten Gebude aus dem Alterthume der Stadt befinden, sehr wnschenswerth sein" 28).

Die von Sack geforderte Restauration wurde 1847 ausgefhrt. Bei dieser Gelegenheit wurde der Metallbrunnen von seiner ursprnglichen Stelle auf die Mitte des Marktplatzes versetzt. Die einfache Steinsule aus Elmquadern wurde durch einen Sandsteinsockel ersetzt und das ganze Bauwerk noch einmal mit einem achteckigen Steinbecken umgeben. Mit den Steinarbeiten war der Architekt F. Uhlmann beauftragt. Die Ausbesserungsarbeiten am Metallbrunnen fhrte der Braunschweiger Bildhauer Howaldt aus. Howaldt fgte die verloren gegangene Windfahne mit dem Stadtwappen wieder hinzu. Welche Teile er jedoch getreu nach dem Original ausbesserte, ist unbekannt. Bekannt ist jedoch, dass er die Laterne, die Helmstreben und das Helmmawerk, die vier Evangelisten und die Muttergottes frei ergnzte. Howaldt hat lediglich nach seinem Gefhl, ohne Kenntnis der strengen Gesetzlichkeit des Brunnens gearbeitet. Er ergnzte den Baldachin in der Laterne 11cm niedriger als der Originalbaldachin gewesen ist. Die Folge war, dass die Madonna von dem Mawerk der Wimperge erdrckt wurde.

"Die von Howaldt geschaffene Madonna war eine so genannte 'schne Sitzmadonna1, eine saubere, gekonnte Arbeit seiner Zeit, aber ohne auch nur den Versuch eines Antastens an den Brunnencharakter. Von den vier Evangelisten Howaldts ist keine Abbildung bekannt" 29).

In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg hat sich der Stadtbaurat Winter sehr viel mit dem Brunnen beschftigt. Nach seinen Zeichnungen versuchte Kump 1946 den zerstrten Brunnen wiederherzustellen. Es stellte sich doch beim Vergleichen der Originalmae mit den Zeichnungsmaen Winters heraus, dass diese Zeichnung nicht zuverlssig war. Im Laufe der Restaurierung wurde deutlich: Winter hatte die Absicht, den alten, vielleicht wieder brchig gewordenen Brunnen durch einen Brunnen aus einem hrteren Metall zu ersetzen. Die Zeichnungen waren bis in Details fertig. Der Brunnen sollte bedeutend hher und der Wasserverlauf sollte gendert werden. Der ganze Brunnen sollte in der Mitte des Marktes auf vier oder acht etwa 30 cm hohen Lwenrcken ruhen, Auch sollte der Brunnen in sich gestreckt werden, was den Gesamtcharakter vllig verndert htte.

3. Die Vernichtung des Brunnens im 2. Weltkrieg und die Wiederherstellung durch Werner Kump

Im Jahre 1943 wurde der Brunnen mit Sandscken und einer Holzverschalung gegen die Sprengwirkung der Bomben geschtzt. Die Schutzhlle riss jedoch durch Witterungseinflsse auf, und der Sand konnte allmhlich abrieseln. In der schweren Bombennacht vom 14. zum 15. Oktober 1944, in der fast die ganze Innenstadt Braunschweigs in Flammen aufging, entzndete sich auch die Holzverschalung durch mehrere Stabbrandbomben und vernichtete den Brunnen bis auf wenige Groteile. Das Unterbecken blieb etwa zu zwei Dritteln erhalten, alle anderen Teile vom Mittelbecken bis zur Laterne waren verschmolzen und fr eine Restauration nicht mehr zu verwenden. Die Laterne auf dem Oberbecken war vllig zerstrt.

Nach dem Brand wurden die Brunnenreste vom Steinsockel heruntergenommen und lagerten ungeschtzt auf dem Marktplatz. Erst im Winter 1944/45 wurden die Reste auf Veranlassung des Landeskonservators Dr. Seelecke in das Innere der Andreaskirche auf dem Wollmarkt transportiert, wo sie Ende Mai 1945 zwischen vielem Unrat aufgefunden wurden. Nach einer Bestandsaufnahme und mehreren Gutachten ber die Mglichkeit einer Wiederherstellung wurde bereits am 26. Juli 1945, fast drei Monate nach Kriegsende, der Auftrag zur Wiederherstellung des Brunnens an den Metallbildhauer Werner Kump vergeben 30).

 

Mit Hilfe eines kleinen Mitarbeiterstabes und einer groen Anzahl freiwilliger Helfer gelang es Kump nach fnfjhriger, mhvoller Kleinarbeit, den Brunnen am 4. Dezember 1951 den Brgern der Stadt Braunschweig zurckzugeben.

Die Zustnde in der zerstrten Stadt machten es dem Restaurator in den ersten Wochen und Monaten nach dem Kriege besonders schwer. Es fehlte an geeigneten Unterknften, Werkzeugen und Materialien. Als im Oktober 1945 die Brunnenreste aus der Andreaskirche in die stndig gegen Diebstahl gesicherte Arbeitsbaracke gebracht werden sollten, musste festgestellt werden, dass mehrere Zentner Brunnenblei gestohlen und wahrscheinlich als Altmaterial verkauft worden waren.

Die einzigen Unterlagen, die bei der Erstellung der Gutachten im Juni 1945 vorlagen, waren die groen Brunnenzeichnungen Winters von 1913. Auf Grund dieser Zeichnungen fiel das Gutachten ber die Mglichkeit einer getreuen Wiederherstellung des Brunnens positiv aus. Beim Vermessen der Brunnenreste und Vergleichen mit Winters Zeichnungen stellte sich heraus, dass die Zeichnung nicht mit den wirklichen Brunnenmaen bereinstimmte. Weitere Untersuchungen ergaben, dass Winter die bereits erwhnte Erneuerung vorgehabt haben musste. Endgltige Klarheit brachte eine spter aufgefundene Wassermontagezeichnung Winters, in der die eiserne Armierung anders eingezeichnet war. Diese Armierung wre technisch in dem Bleibrunnen nicht mglich gewesen.

Nachdem die Winterschen Zeichnungen fr die Restaurierungsarbeiten unbrauchbar waren, wurde jedes erreichbare Foto gesammelt und mit Hilfe einer, von einem englischen Offizier zur Verfgung gestellten, Fotoausrstung eine fotografische Abwicklung des Brunnens hergestellt. Rechnerisch und zeichnerisch tastete man sich an die Originalmae heran und suchte dann nach einer neuen Lsung der Laterne, die 1847 von Howaldt frei ergnzt worden war.

"Anfang Januar 1947 wurden die fr die Restaurierung errechneten Mae und die vorgeschlagenen Brunnenergnzungen von Sachverstndigen geprft und als die wahrscheinlich bestmglich befriedigende Lsung genehmigt. Diese zwar zustimmende, aber immerhin sehr vorsichtige Formulierung veranlasste den mit der Restaurierung Beauftragten zu Versuchen, die fachlich unbedingt zulssigen Zweifel an der Zuverlssigkeit der bisherigen rechnerischen Bestimmungsmethode mglichst durch eine bessere, kunstwissenschaftlich exakte Gewissheit zu beseitigen" 31).

Im Januar 1947 gelang es Kump, die geometrische Gesetzmigkeit am Brunnen nach der Methode von Drach festzustellen. Ein halbes Jahr spter waren alle wesentlichen Punkte nach dieser Methode rechnerisch und zeichnerisch "bestimmt und damit eine exakte Grundlage fr eine kunstwissenschaftlich magetreue Rekonstruktion des Altstadtmarkt-Brunnens gewonnen" 32).

Als die zeichnerischen Arbeiten abgeschlossen waren, taten sich dem Restaurator neue Schwierigkeiten auf. Die Beschaffung der vielen notwendigen Materialien fr Modellierung und Guss musste gemacht werden. Dazu schreibt Kump: "In jenen rauhen Tagen bewertete man im Volksmund die relative Sauberkeit gettigter Geschfte schlicht nach der Oswaldtschen Wei-grau-schwarz-Farbskala. Historische Zuverlssigkeit verpflichtet den Chronisten zu der Angabe, dass ausnahmslos alle fr die Restaurierung des Altstadtmarkt-Brunnens gettigten Beschaffungen - getreu der natrlichen Bleifarbe des Brunnenmaterials - vom prachtvollsten Hellgrau bis zum tiefsten Dunkelgrau eingestuft werden mssen 33).

Nach der Whrungsreform, als die Industrie ihre Materialien verkaufen wollte, fehlte es der Stadt an Geld. Die Gussarbeiten wurden notdrftig abgeschlossen, neue Arbeiten wurden nicht vergeben. Vom 31. Mrz 1949 bis 1. Mai 1950 ruhte die Restaurierungsarbeit vllig. Die restlichen Arbeiten, Nacharbeit und Zusammensetzen der Einzelteile konnten im darauf folgenden Jahr ausgefhrt werden. Am 31. Mai 1951 konnten die Teile montagefertig abgeliefert werden.

Noch im September wurde mit dem Zusammenbau des Brunnens auf dem neu gesetzten Fundament begonnen. Damit kehrte der Brunnen aus der Mitte des Marktes auf seinen ursprnglichen Standort zurck.


II. Der geistige Gehalt des Brunnens

1. Gesamtbeschreibung

Nicht nur aus historischen, sondern vor allem aus verkehrstechnischen Grnden versuchten die Stadtplaner, den Brunnen aus der Mitte des Marktes wieder zu entfernen und ihn auf dem gnstigsten Platz an einer Seite des Marktes zu errichten. Mit Hilfe eines fahrbaren Gerstes wurde dann der endgltige Platz in der Sdost-Ecke des Marktplatzes gefunden. Whrend der Brunnen bei einer Versetzung auf die westliche Hlfte des Platzes durch die stark gegliederten Elemente der Rathauses und der Martinikirche "in seiner Wirkung beeintrchtigt worden wre, ... schien die Ostseite des Platzes einer Bereicherung zu bedrfen, zumal hier durch eine optische Bindung an das Gewandhaus auch diesem eine besondere Bedeutung gegeben werden konnte" 34)..

Der Brunnen hat die Form einer steilen Pyramide. Aus der Mitte eines flachen, achteckigen Fubeckens erhebt sich eine runde und wenig profilierte Sandsteinsule, auf der der metallene Brunnen ruht. Die untere Metallschale liegt fast vollstndig auf dem Sockel. Aus dieser Schale erwchst ein starker Stock, an dem zwei weitere, kleinere Schalen lasten. Den Abschluss des Steigrohres bildet ein Zinnenkranz. Auf einem Sttzring unterhalb des Zinnenkranzes ruhen vier Fialenpfeiler, die das Helmdach ber dem Zinnenkranz tragen. Die Spitze des Helmes wird von einer Kreuzblume abgeschlossen. Aus der Mitte der Kreuzblume erhebt sich eine Windfahne mit dem Wappen der Stadt Braunschweig.

Die vier Streben des Helmdaches sind mit Krabben verziert und das Dach wird von gotischem Mawerk gebildet. Unter dem Helmmawerk befindet sich ein Baldachin, unter welchem die Muttergottes mit dem Kind thront. Sie blickt nach Westen und sitzt in der Mitte des Zinnenkranzes auf einem Podest (Abb. 5).

An den vier Fialenpfeilern, die den Strebepfeilern von gotischen Kirchen gleichen, sind auf einem Podest und unter einem Baldachin die vier Evangelisten in Vollplastiken dargestellt. Zwischen den Fialenpfeilern kriechen vier drachenhnliche Tiere zum Zinnenkranz empor, die aus den Rachen das Wasser in das obere Becken speien.

Die Becken sind im Vergleich zu anderen Brunnenschalen bedeutend steilwandiger und tiefer. Das Wasser fliet durch vier Wasserdurchlsse in das darunter liegende Becken. Die Schalen sind an den Auenwnden profiliert und an jedem Becken befinden sich zwei verschiedene Verzierungen. Das obere Becken ist unter dem Rand mit einem schmalen Blumenornament und einem breiten Rankenornament verziert. Das Mittelbecken (Abb. 6) wird von 20 verschiedenen Wappen und den dazu gehrenden Namen geschmckt. Unter dem Rand am Unterbecken befindet sich eine niederdeutsche Inschrift aus gotischen Buchstaben, die biblischen Versen entnommen ist. Darunter sind in fein geschnittenen Reliefbildern 19 Propheten, die Spruchbnder tragen, und die heilige Katharina mit ihren Attributen dargestellt. Das Fubecken aus Stein steht auf einer Stufe, und hat auer Profilen keine weiteren Verzierungen.

2. Der Brunnen als Ausdruck seiner Zeit

Das Wort Ulrichs von Hutten, "Die Natur ist erwacht, es blhen die Studien" 35) galt fr die Brunnenkunst des 14. und 15. Jahrhunderts uneingeschrnkt. Versteht man unter "Natur" das Ausbilden der Zweckmigkeit in der Form, und unter "Studien" die Gestaltung der Schmuckelemente, so sind dies die beiden wichtigsten Gesichtspunkte, unter denen in dieser Zeit die Brunnen in Deutschland geschaffen wurden.

Whrend in Italien die knstlerisch gestalteten Brunnen aufgrund des greren Wasserreichtums auf Reprsentationspltzen errichtet wurden, entstanden in Deutschland die meisten auf Verkaufsmrkten. Bei den Schmuckbrunnen Italiens brauchten die praktischen Anforderungen nur nebenher bercksichtigt zu werden. Bei den deutschen Brunnen dagegen war die Zweckforderung dominierend, die auch durch die Schmuckformen nicht verwischt werden konnte. Dies gilt auch fr den Brunnen auf dem Altstadtmarkt in Braunschweig.

Der Markt als Treffpunkt vieler auswrtiger Kaufleute und Handwerker war in seinen Fluchtlinien schon kunstmig festgelegt. Deshalb wurde auch fr die Erstellung des Brunnens die dekorative Absicht treibend. Der Reichtum an Schmuck auf dem Markt war das Zeichen eines starken stdtischen Selbstbewusstseins und der Brunnen hatte den Gesamteindruck des Marktes zu bereichern. Schon mehrere Schalen waren das Zeichen fr eine knstlerische Bereicherung. Der Aufbau des Brunnens ist streng architektonisch und bezeichnet den Hochstand des stdtischen Gewerbes. In der ganzen Brunnenauffassung spiegelt sich das gemeinschaftliche Schaffen von Architekt, Metallgieer, Bildhauer, Kirche und Stadtrat wider. Bildnerisch vollendet, bringen die Schpfer eine Flle von Gedanken zur Geltung, ohne dass der Brunnen einer berladenheit zum Opfer fllt.

Der Schmuck des Brunnens hat einen sinnbildlichen Auftrag. Man begngt sich nicht mit der Darstellung "der vordergrndigen, materiellen Tatschlichkeit der Welt. Im Abbild kommunizieren alle Dinge untereinander, im Sinnbild sind sie 'unmittelbar zu Gott1.

Alles ist nur Hinweis auf den gttlichen Grund, der die gesamte Gegenstandswelt - die Natur, den Menschen und seine Schpfungen - trgt". Alle dargestellten Dinge haben den Auftrag, "Zeichen 'fr etwas zu sein" 36). Das Streben der Bevlkerung nach der Unabhngigkeit von den Landesherren, verwurzelt in einer tiefen religisen Auffassung, wird in der ganzen Zusammenstellung des Programms deutlich. Durch das Wappen der Stadt an der Spitze wird der Brunnen Monument, der das Wahrbild eines stolzen Brgertums bezeichnet.

 

3. Figuren und Darstellungen

Zur Bereicherung des optischen Eindruckes ist der Brunnen mit vielen verschollenen Schmuckelementen versehen. Der Knstler rechnet mit dem Betrachter und verhllt den massiven Baukrper in einer dekorativen Schmuckschicht, die den Anschein der Kostbarkeit erweckt. Durch die auf optische Wirkung berechnete Oberflche tritt eine besondere Spannung auf; die Spannung zwischen Struktur und Oberflche, die den Blick des Betrachters, je nach Wahl des Standortes, auf einen bestimmten Sektor lenkt.


 

Der gesamte Baukrper tritt bei der Betonung der einzelnen Schmuckzonen zurck und lsst jede Zone fr sich wirken. Der Brunnen ist in vier gleichstarke Schmuckzonen aufgeteilt. Die erste bildet das Unterbecken mit der Inschrift und den Reliefbildern. In der zweiten Zone befinden sich die Wappen des Mittelbeckens. Die Ornamente am Oberbecken bilden die dritte und ruhigste Zone und unterstreichen die Wirkung des Fialenabschlusses auf der Spitze des Brunnens, die als vierte Schmuckzone betrachtet werden kann. Bei der Betrachtung des Brunnens wird das Ganze einem flchenhaften Ausschnitt geopfert.

Die Schmuckelemente sind hier selbstndiger entwickelt als an vielen sddeutschen Brunnen, die nicht selten noch grer sind als der Brunnen in Braunschweig. Wie bei allen lteren Metallbrunnen ist das Schmuckwerk klein im Verhltnis zum Ausma des Gesamtbrunnens.

Im Gegensatz zu spteren Kunstepochen befindet sich kein figrlicher Schmuck am Mittelpfosten des Brunnens. Dadurch wird seine Aufgabe, die Brunnenteile zu tragen, stark betont. Die glatte Steinsule und der gleichmig profilierte Mittelpfosten lenken jedoch die Aufmerksamkeit des Betrachters ab auf das Schmuckwerk des Fialenaufbaues und der Beckenrnder. Die Bildwerke an Brunnen allgemein sind heiter und frhlich, hier sind sie fast nchtern und sachlich gestaltet. Jede einzelne Figur wurde zum selbstndigen Bedeutungstrger geformt und bringt eine begreifbare Krperlichkeit zur Geltung. Dabei liegt die Wirklichkeit in dem bezeichneten Gegenstand, nicht in der Formgebung des Gegenstandes.

Bei der Ausschmckung des Brunnens hat der Knstler seine Vorliebe fr Reliefs stark entfaltet. Jede Figur wurde von dem an Hausrat gewhnten Metallgieer bis in Kleinigkeiten sauber ausmodelliert. Die Darstellungen lassen sich, obwohl sie nicht sehr gro sind, doch gut betrachten.

 

a) Die Inschrift am Unterbecken

Unter dem Rand des grten der drei Becken befindet sich eine plattdeutsche Inschrift aus gotischen Buchstaben. Die Inschrift besteht aus sieben Stzen. Vor sechs Stzen steht jeweils ein Name aus dem Alten Testament, der letzte Satz nennt das Herstellungsjahr und die Heilige, der dieser Brunnen geweiht wurde.


 

Die Namen:

Die Stze im einzelnen
lauten:

 

Die Namen deuten jeweils an, wer das Zitat in der Bibel gesprochen hat. Die entsprechenden Stellen in der Bibel lauten

| david |

des waters i flot
de stat godes vrolich dot

Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig sein mit ihrem Brnnlein, (da die heiligen Wohnungen des Hchsten sind)
Psalm 46, 5

Flieende Brunnen machen die Stadt Gottes frhlich.

| elrzeus |

sut hebbe yk se maket gar /
un wde nicht mer unvruchtbar

(So spricht der Herr:) Ich habe dies Wasser gesund gemacht; es soll hinfort kein (Tod noch) Unfruchtbarkeit daher kommen.
2. Buch der K
nige 2, 21

| salomon |

alle wat i dat mer ga

Alle Wasser laufen in das Meer; (doch es wird das Meer nicht voller; an den Ort, da sie herflieen, flieen sie wieder hin.) Prediger 1,7

| jesaja |

we dorste de krne hir an

Wohlan alle, die ihr durstig seid, kommet her zum Wasser, (und die ihr nicht Geld habt, kommet her und kaufet und esset, kommet her und kaufet ohne Geld und umsonst beides, Wein und Milch).
Jesaja, 55,1

Wer durstig ist, der komme hier heran.

| elias |

he scloch de watere un entwe
sint se ghedelet

(Da nahm Elia seinen Mantel und wickelte ihn zusammen, und) schlug in das Wasser, das teilte sich auf beiden Seiten, (dass sie beide trocken hindurchgingen.)
2. Buch d. K
nige 2,8 Samuel

Er schlug die Wasser und sie teilten sich auf beiden Seiten.

| samuel |

hete wete i dosse dach / a.
anno dm: MCCCC VIII
vibilia katerina fusa est.

(Sie tun dir, wie sie immer getan haben,) von dem Tage an (da ich sie aus gypten fhrte,) bis auf diesen Tag, (und haben mich verlassen und haben anderen Gttern gedient.)
1. Buch Samuel 8,8 A(men).
Im Jahre des Herrn 1408,
gegossen am Vorabend der hl. Katharina
(= Sonnabend, 24. November 1408)

Von Anbeginn bis auf den heutigen Tag. Amen.


"In souverner - vielleicht auch erstmaliger - Unbekmmertheit sind die lateinischen Sprche des Vulgata-Textes in die niederdeutsche Sprache bertragen" 37). Im Jahre 1408 gab es noch keine deutsche Bibelbersetzung. Die Verse der Bibel in niederdeutscher Sprache drcken die Zusammenarbeit von Kirchenherren und Brunnenbauern aus. Hier lag das Bestreben vor, Gottes Wort nicht nur den Menschen, die die lateinische Sprache beherrschten, darzustellen. Alle, die lesen konnten, sollten die biblischen Sprche am Brunnen verstehen.

Zugleich liegt aber auch eine Mahnung in dieser Inschrift. Eine Stadt ohne Wasser ist zum Tode verurteilt. Deshalb wurde das Wasser unter Gottes Schutz gestellt. Wer diesen Schutz missachtete und das Wasser verunreinigte, musste mit der Strafe Gottes rechnen. Zu diesen Strafen wurden besonders Krankheiten und Wasserarmut gezhlt, worunter dann die ganze Stadt zu leiden hatte.

Es ist noch zu bemerken, dass Kump an einer unaufflligen Stelle am Mittelpfosten, direkt unter dem mittleren Becken, den Hinweis auf den Neuguss anbringen lie. Mit den gleichen gotischen Buchstaben heit es dort in Plattdeutsch:
In den groten Kriege am 15. Oktober 1944 dorch Brand esmolten. Niet egoten 1948.

b) Die Prophetenreihe

Auf den Reliefbildern am Unterbecken werden 19 mnnliche und eine weibliche Person dargestellt. Die weibliche Figur ist die heilige Katharina mit ihren Attributen, Rad und Schwert, der der Brunnen geweiht wurde.

Die mnnlichen Figuren stellen die markantesten Mnner des Alten Testamentes dar. Zur Darstellung der Personen wurden vom Erbauer sieben verschiedene Figuren benutzt. Mit Ausnahme der weiblichen Figur wurden jeweils mehrere Personen mit der gleichen Abbildung dargestellt. Die mnnlichen Figuren tragen Schriftbnder mit lateinischen Sprchen aus der Vulgata in hochgravierter, gotischer Schrift. Die Worte sind oft abgekrzt und erschwerten deshalb Sack und anderen Publizisten das Entziffern sehr. Bei der Restauration gelang es zwei Angehrigen der Benediktiner-Abtei Maria Laach, die biblischen Gestalten zu bestimmen und den Text der Schriftbnder zu entziffern 38).

Die Personen sind in vier Gruppen zu je fnf Reliefs zusammengestellt. Die Gruppen werden durch die vier Lwenkopfausgsse voneinander getrennt (Abb. 14). In jeder Gruppe sitzt ein Knig, flankiert von zwei Propheten. Nur in der Gruppe, in der die heilige Katharina dargestellt ist, sitzt der Knig nicht in der Mitte, sondern rechts neben der Katharina.

Von den 20 Darstellungen konnten 14 namentlich bestimmt werden. 6 Figuren, die durch die Glut des Brandes zerstrt wurden, werden wahrscheinlich unbekannt bleiben.

Die Figuren wurden zur Darstellung folgender Personen verwendet: 39)


 

Figur I:

viermal, fr Obdias, Elrzeus, Osea, einmal zerstrt.

Figur II:

zweimal, fr Knig Salomon, Knig David (Abb. 8)

 


 

Figur III:

viermal, fr Isaias, Samuel, Jeremias, Moses (Abb. 9)

Figur IV:

zweimal, fr zwei unbekannte Knige (Abb. 10)

 


 

Figur V:

einmal, fr die heilige Katharina (Abb. 11)

Figur VI:

viermal, fr Ezechiel, Naum, Abacuc, einmal zerstrt.

 


 

Figur VII:

dreimal, fr Joel, zweimal zerstrt

 

Auf allen entzifferten Spruchbndern ist im Kern die Rede vom Wert des Wassers. Fast knnte man glauben, der Knstler wollte die niederdeutsche Inschrift mit einer Geschichte des Volkes Israel, zusammengesetzt aus den Sprchen der einzelnen Gestalten, erweitern und begrnden.

Dem Sinn nach knnte die Zusammenstellung der Sprche folgende Geschichte ergeben:
Dem Volke Israel wurde von Gott durch den Mund der Propheten das fehlende Wasser in ausreichender Menge versprochen. Als das Volk in Israel Ordnung geschaffen hatte, wurde von Gott der Ursprung des Wassers und die gleiche Aufteilung geboten. Es wurde von ihm gesund gemacht und stand unter seinem Schutz. Nach l
ngerer Zeit wendete sich das Volk von seinem Gott Jahwe ab und betete einen anderen an. Die Strafe Gottes wurde von den Propheten vorausgesagt.

Weil das Volk jedoch nicht zurckkehrte, lie Jahwe alle Quellen versiegen. Daraufhin kehrten die Abtrnnigen zurck, Gott war vershnlich und lie die Quellen wieder hervortreten und gengend Wasser spenden.

Diese Deutung ist fr die Zeit des 14. Jahrhunderts durchaus mglich, weil das Christentum zu dieser Zeit in Europa als einzige Religion gltig war und nicht im Sinne der Dmonen und berirdischer Mchte verstanden wurde, sondern als Religion der gttlichen Liebe und Gnade.

 

c) Die Wappen am Mittelbecken

Im Gegensatz zur tiefen Frmmigkeit, die aus den Darstellungen des Unterbeckens spricht, macht sich am Mittelbecken das erstarkende Selbstbewusstsein der Stadt deutlich bemerkbar.

Hier sind 20 verschiedene Wappen angebracht. Genau wie am Unterbecken sind die Wappen in vier Gruppen aufgeteilt, die durch die Lwenkpfe voneinander getrennt werden. ber den Wappen befinden sich die Namen der dargestellten Wappen. Sie gruppieren sich nicht um eine besondere Person der Gruppe, wie die Propheten um einen Knig am Unterbecken. Die Reihenfolge der Wappen ist fortlaufend nach einer strengen Hierarchie geordnet.


 

Der Reihe nach erscheinen:

Als erstes das "Heilige Rmische Reich Deutscher Nation" (links), es folgen die sieben Kurfrstentmer Mainz (g) 40), Bhmen (w) 41), Kln (g), Sachsen (w) (rechts vor dem Lwenkopf),

Bayern (w), Trier (g) und Brandenburg (w). Es folgen danach die Wappen von Braunschweig-Land und Lneburg als ein Herzogtum, das von zwei Landesherren in Braunschweig und Lneburg regiert wurde.


An 11. Stelle ist die Stadt Braunschweig dargestellt, gefolgt von den neun guten Helden; dem heidnischen Hektor, Alexander dem Groe und Julius Csar; dem jdischen David,

Judas von Maccabus und Josua und den christlichen Helden Karl der Groe, Knig Artus und Gottfried von Bouillon.

Sack glaubte, dass die Reihenfolge der Wappen teilweise willkrlich vom Knstler zusammengesetzt worden ist. Dagegen sprechen jedoch einige Tatsachen. Nach dem Wappen des Deutschen Reiches folgen die sieben Kurfrsten, die bei der Wahl eines deutschen Knigs entscheidend mitzusprechen hatten. Die Reihenfolge der Kurwrden wurde nicht in geistliche und weltliche getrennt, sondern diese wurde wechselweise genannt. In der Reihenfolge war wahrscheinlich nur das Alter entscheidend. Dem ltesten Erzbistum folgt das lteste Knigreich usw.

Aus der Reihenfolge der Wappen ist ein feines politisches Gefhl des Knstlers ersichtlich. Auch setzt er das Stadtwappen nicht an den Anfang der Reihe, sondern geht von Stufe zu Stufe abwrts, in der offiziellen Reihe der Obrigkeiten. Erst danach wird die Stadt genannt, die 1408 die Reichsunmittelbarkeit fast erreicht hatte und fr die das Handeln der neun guten Helden zum Vorbild genommen werden sollte.

d) Ornamente und Einzelfiguren

Auer den glatten Profilringen, die die Schmuckelemente trennen, sind die beiden grten Metallbecken auch mit ornamentalem Schmuck versehen. Die Buchstaben der Inschriften sind mit feinen Einschnitten verziert. Die trennenden Zeichen der Inschrift (in Abschnitt 3a mit | bezeichnet) sind zur Bltenform modelliert. Dieses Schmuckwerk hat die Aufgabe, die kunstvolle Wirkung der Darstellung zu erhhen.

Am Oberbecken sind keine Gegenstnde und Figuren abgebildet. An die Stelle der Inschriften tritt ein kleines Blumenornament (Abb. 47), das den Beckenrand ununterbrochen umspannt. Das anstelle der Wappen gewhlte groe Ornament (Abb. 46) wird durch Lwenkpfe unterbrochen. Dieses Rankenornament setzt sich aus vier Teilen zusammen. Die einzelnen Teile sind untereinander gleich. Das zweite Teilstck ist ein Spiegelbild des ersten (in der Lngsseite gespiegelt); das dritte Teilstck ist dem ersten gleich, das vierte wieder ein Spiegelbild. Dadurch entsteht innerhalb des Ornaments eine ausgeglichene Wellenbewegung. Weil aber die Lwenkpfe in diese Bewegung einbezogen werden, entsteht keine auffllig strende Unterbrechung.

Mit den Ornamenten ist der Brunnenknstler der Gefahr des berladens entgangen. Figrlichen Schmuck htte auch der Betrachter in dieser Hhe kaum deutlich erkennen knnen. Diese in sich ruhige Schmuckzone unterstreicht gleichzeitig die abgeschlossene Wirkung des Fialenaufbaus.

Die fnf Rundplastiken des Brunnens sind in der Fiale zu finden. Wie den brigen Darstellungen kommt auch ihnen eine symbolische Funktion zu. "Die Gltigkeit eines Symbols hngt von einer Vereinbarung ab. Erlischt diese, so verdunkelt sich die Sinnsphre des Symbols und dieses sinkt letztlich in die reine vordergrndige Gegenstndlichkeit ab. ...Als Trger eines verschlsselten Sinngehaltes besitzt das Symbol fr den Wissenden die Macht der Offenbarung. Seine bevorzugte Verwendung im Bereich der sakralen Kunst wird daraus verstndlich.

Man kann zwischen spekulativen und anschaulichen Symbolen unterscheiden. .... Fr das spekulative Symbol gibt es in der Regel nur eine richtige Interpretation, fr das anschauliche mehrere. Am strksten ist die Symbol zeugende und -bewahrende Kraft in Epochen, deren Weltbild im Jenseits wurzelt. Alles Irdische - die Natur und die vom Menschen geschaffene Wirklichkeit - ist dann nur Hinweis auf eine hhere, geistige Wirklichkeit. Darum ereignet sich die Bltezeit' der abendlndischen Symbolkunst im Mittelalter. Alles fhrt zu Gott, alles hngt von Gott ab. In diesem Doppelbezug ist der Reichtum der symbolischen Verknpfungen und Entsprechungen begrndet" 42).

Die Anwesenheit der vier Evangelisten, die ihre Bcher aufgeschlagen in den Hnden halten (Abb. 17 bis 20), veranschaulicht die Verbundenheit des Volkes mit dem Neuen Testament. Als Verknder der Worte und Taten Christi stehen die Evangelisten stellvertretend fr ihn. Auch die Madonna mit dem Kind (Abb. 15 bis 16) whlte man anstelle einer Christusfigur. War schon die Darstellung des Christus schwierig, so lie sich die menschliche Gefhlsbindung zwischen Mutter und Kind leichter abbilden. Durch die Darstellung der Mutter mit dem Kind wurde eine persnliche Beziehung zwischen Betrachter und Abbild hergestellt, die dem Betrachter von Natur her vertrauter war als eine Beziehung zu Jesus. Auch war die Bltezeit der Madonnenverehrung noch nicht vorber. An vielen profanen Bauwerken befanden sich Madonnenfiguren, welche die gleiche symbolische Funktion bernahmen, die den Christusfiguren in Kirchen zukam.

III. Die Form des Brunnens

1) Die bildende Kunst am Ende des 14. Jahrhunderts

Im spten Mittelalter entwickelte sich in den Residenzen der Landesfrsten und in den freien Stdten des Reiches ein reiches knstlerisches Leben, das sich zunchst auf dem Gebiet der Baukunst entfaltete. In der Zeit von 1250 bis 1400 lste sich die Kunst allmhlich von der Vormundschaft der Kirche. Neben den kirchlichen Bauhtten entwickelten sich die brgerlichen Znfte. "Kirchlich aber blieb die Kunst der christlichen Vlker whrend dieses ganzen Zeitraumes in allen seinen Hauptuerungen ihrem innersten Wesen und Wollen nach, und gerade dem mystischen Aufschwunge der Gott suchenden Seelen verdankte sie ihre herrlichsten Schpfungen. 43).

Zu dieser Zeit hatte das Christentum das Vertrauen der ganzen Bevlkerung erobert. Bis weit in die romanische Zeit war das Christentum von der Bevlkerung noch nicht als eine Religion der gttlichen Liebe und Gnade verstanden worden. Dem Volke, ausgenommen einer Anzahl von Geistlichen und geistig Gebildeten, war es noch nicht die Religion, von der man einen Schutz im Diesseits erhoffen konnte. Das Bewusstsein, dass Gott den liebt, der ihn liebt, dass in jedem Lebewesen etwas von ihm ist, jeder an seiner Gnade teilhaben kann und dass der Mensch sich ihm ohne Scheu und Furcht nhern kann, war nicht vorhanden. Die christliche Religion wurde weithin noch in dem alten Sinne verstanden, der ihm schon bei der bernahme des Christentums zukam. Gott wurde als etwas Fernes, dem Menschen und allem Irdischen Entrcktes empfunden, das groe Macht ber die transzendenten Krfte hatte, von denen man die Welt beherrscht glaubte.

Keine Brcke des Gefhls verband die Glubigen mit den Gestalten des Christentums. Diese waren unnahbar und nur aus der Ferne ehrfrchtig mit Scheu anzubeten. Ihrer Hilfe schien man sich nur durch das Opfer, durch Schenkung von Land und Geld an die Kirche versichern zu knnen.

Die Mnche des Zisterzienserordens haben wesentlich zum Wandel dieser magischen Auslegung beigetragen. Sie haben als erste die Marienverehrung in das Volk getragen. Die Gottesmutter wird zur Frbitterin der Glubigen beim letzten Gericht, das mtterliche Erbarmen schlgt die ersten Brcken des Gefhls zu Gott.

Diese und andere Verehrungen haben dazu beigetragen, dass das Christentum seine magische Auslegung verlor. Gott und die Heiligen gewannen allmhlich eine bis jetzt unbekannte Menschlichkeit, Vertrautheit und Verstehbarkeit. Breite Schichten des Volkes erkannten, dass die Liebe und Gnade Gottes allen teilhaftig ist, und dass er ansprechbar und fr jeden erreichbar ist. Das Christentum wurde allmhlich als Religion der gttlichen Liebe und Gnade verstanden.

Im Verlaufe des 14. Jahrhunderts ging der Vorrang der Kirche in dem Mae zurck, wie das stdtische Brgertum an Ansehen und Bedeutung gewann. Die sich im Brgertum entwickelnden Lebensideale waren vllig anders als die der Geistlichkeit und des Adels. Diese Ideale standen auf dem Boden des realen Lebens. Man suchte Erfllung in den Tugenden des handwerklichen Knnens und Fleies, in der Sparsamkeit und auch in der Gemeinschaftlichkeit. Die Brger dachten in Realitten, was die Ursache fr den tief greifenden geistigen Wandel der Zeit wurde. Das Hervortreten der Einzelpersnlichkeit aus der bisherigen Anonymitt betont diesen Wandel besonders.

Zur wichtigsten Forderung dieser Zeit wurde die freie Entfaltung der Persnlichkeit im geistigen und politischen Leben. Breiteste Schichten des Volkes machten sich diese Forderung zu eigen. Die ausgesprochen demokratische Gesinnung und das wirklichkeitsnahe Denken verstrkten den Rckgang des kirchlichen Einflusses. Aus dieser Entwicklung, aus der die lutherische Reformation in Deutschland seine letzten Konsequenzen zog, ist auch die Vernderung der Kunst zu sehen.

Die wenigen Nachrichten ber die Knstler der damaligen Zeit sind meistens rein zufllig erhalten geblieben. In der Zeit der kirchlichen Bauhtten wurde im Kollektiv geschaffen, jeder Handwerker an seinem Platz und seinen Leistungen entsprechend. Jeder einzelne Handwerker war Glied eines Ganzen und galt gleich viel. So wrdigte auch die Geschichtsschreibung oft nur die Leistung des Kollektivs, Einzelleistungen wurden nur selten besonders hervorgehoben.

Das Verewigen durch Namenszeichen an einer Schpfung, das in Italien schon seit lngerer Zeit blich war, kam in Deutschland erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts auf und brgerte sich nur ganz allmhlich ein. Deshalb gewinnen die alten Kmmereirechnungen der Stdte eine erhebliche Bedeutung als Namensquelle. Die Baumeister und Handwerker, die in diesen Rechnungen genannt sind, bauten im Auftrage des Rates Markthallen, Rathuser, Wehranlagen usw. Viele von diesen Handwerkern gingen oft auf Wanderschaft. So ist es wahrscheinlich, dass sie nicht nur an Profanbauten, sondern auch an sakralen Bauwerken gearbeitet haben. Mit dem Ansteigen der schriftlichen berlieferungen sinkt jedoch das Bauen von groen Kathedralen und wendet sich mehr den profanen Bauwerken zu. Am Ende des 14. Jahrhunderts kannte die Gesellschaft noch keine Knstler, wie sie in unserem Sinne bekannt sind. Fast jeder Handwerker hat es mit seinen geringen Hilfsmitteln zu knstlerischen Leistungen gebracht.

Die aus Frankreich kommende Gotik begann ihren Lauf um die Mitte des 13. Jahrhunderts durch ganz Europa. Auch in Deutschland ging die Gotik als tonangebender Stil aus den Auseinandersetzungen mit den berlieferten Formen hervor. In den verschiedenen Lndern passte sie sich den verschiedenen Aufgaben, Baumaterialien und Volkstmlichkeiten an und stand noch unter der Vormundschaft der Kirche. Die mittelalterliche Baukunst sah ihre wichtigste Aufgabe in der Schaffung von Kirchen, und es war in bevorzugtem Mae der Sakralbau, an dem sich der Verlauf des gotischen Stiles mit allen seinen Wandlungen vollzog. In ihm haben sich das strukturelle System und der Formreichtum gebildet. Was an Profanbauten in dieser Zeit entstand, bernahm weitgehend die am Sakralbau entwickelten Formen.

Das gotische Schaffen ist grundstzlich verschieden von dem Gestalten der schweren romanischen Baukunst. Nicht nur in den jeweiligen formalen Ausdrucksmitteln unterscheiden sich diese Zeitstile, sondern grundstzlich durch den unendlich erweiterten Horizont der Betrachtungsweisen. Ein scharfer Verstand und ein rastloses Vorwrtsstreben kennzeichnen die gotische Kunst. In ihrer Gestaltung wird das Sinnvolle vor das Sinnhafte gestellt.

Welche Bereicherung der Stil allein in der Ornamentik geschaffen hat, macht schon der vielseitige Schmuck der Kapitelle in den Kirchen deutlich. Das Streben der Bevlkerung nach einer Lsung von den kollektiven Bindungen, Lebensgenuss, Prachtliebe und hier und da auch Glaubenszweifel werden mit der fortschreitenden Entwicklung der Kunst immer deutlicher.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts war in Norddeutschland allgemein der sptgotische Stil vorherrschend. Das strenge, gesetzmige Gestalten der Hochgotik wurde abgelst von einer freieren und individuelleren Gestaltung der einzelnen Knstler. Eine starke Strmung zum Realistischen machte sich bemerkbar. Man versuchte, der Natur in allen Kunstrichtungen nher zu kommen. Die richtige Wiedergabe der landschaftlichen Hintergrnde in der Malerei und Bildnerei machte groe Fortschritte. Die Stein- und Metallplastiken verloren ihre starre Haltung und gewannen mehr und mehr an Ausdruck und Leben.

In Norddeutschland, wo der Haustein nicht zu finden war, trat die Steinplastik erst im beginnenden 15. Jahrhundert auf. Die Steine wurden von den hansischen Kaufleuten aus Westfalen nach Sachsen transportiert. Umso strker entwickelten sich in diesem Gebiet die Holzschnitzerei und der Metallguss. Der Einfluss des romanischen Stils blieb jedoch in Norddeutschland lnger bestehen als in anderen Teilen des Reiches.

Im gotischen Profanbau wurde auf knstlerischem Gebiet anfangs nach den Gesetzen des Sakralbaues gebaut. Die Formgestaltung nahm jedoch bald brgerliche Zge mit eigener Formentwicklung an und wurde unabhngig vom Sakralbau. Ein groer Nachdruck lag beim Profanbau in der Zweckbestimmtheit. Die Bauwerke waren in der Gestaltung der Form meistens bewusst geistig und nicht willkrlich geschaffen. "Die Wandlung des knstlerischen Ausdrucks, die eine Burg des 13. Jahrhunderts und ein Schloss des 15. Jahrhunderts unterscheidet, ist unmittelbar Ausdruck der Zeitgesinnung. ... Sie zeigen die Kultur des Gotischen innerhalb all ihrer Wandlungen bereit und begabt, dem Leben der Zeit die bestimmte Wrde und das Ansehen groer Form zu geben" 44).

Die Schpfungen sind nicht mehr vom Dmonischen behaftet, sondern es spricht aus ihnen die natrliche Kraft, die Lebensweisheit und Daseinsfreude. Inhaltlich wachsen Einzelheit und Umfang der Sachschilderungen. "Inhalt und Umfang der geistigen Vorstellungen und Interessen des Mittelalters, ... sie sind nirgendwo anschaulicher ausgebreitet als im Motivschatz der gotischen Kleinknste. ... Arbeitsantrieb und technische Voraussetzungen stammen aus den alten Lehrsttten der mittelalterlichen Handwerkskunst, den Klstern" 45). Zu diesen Knsten gehren die Glas- und Buchmalerei, die Schnitz-, Gie-, und Goldschmiedekunst.

 

2) Entwicklungsgeschichte der Brunnen bis etwa 150O

a) Die allgemeine Entwicklung

Im Gegensatz zu den jagenden Vlkern entwickelten die Hirten- und Bauernvlker schon sehr frh die knstliche Fassung einer Quelle, um ihr Vieh besser trnken zu knnen. In der Bronzezeit wurden Zisternen gegraben und mit Holzbohlen eingefasst. Kurze Wasserleitungen baute man aus gehhlten Baumstmmen. Die weiterentwickelte Form der Zisterne ist der zylindrische Schacht- oder Kesselbrunnen, der tief ausgeschachtet und teilweise gemauert oder in den Fels gesprengt wurde. Die Schpfeinrichtung des Brunnens richtete sich stets nach der Hhe des Wasserspiegels. Das Wasser wurde mit Seil und Roller, mit einer Stange oder durch ein Tretrad dem Brunnen entnommen. Aus dem Pumpbrunnen, aus dem das Wasser mit Stangen entnommen wurde, entwickelten sich die Hauptglieder:

der Kasten, als Behlter fr Fische oder zum Waschen,
der Trog, zur Viehtr
nke und
der Stock, zur Aufnahme der Wasserleitung.

Die Stadtkultur stellte hohe Ansprche an die weitreichenden Wasserleitungen, so dass sich hier die laufenden Rhrenbrunnen und Wasserwerke entwickelten.

Die griechischen Stadtstaaten und spter auch die Rmer bernahmen die Vorbedingungen zu ihren groen Brunnenhusern und Marktbrunnen von den alten Kulturen des Orients. Die meisten Brunnen waren bei allen Vlkern in erster Linie Nutzbrunnen. Die Rmer begannen mit der Zunahme ihrer Macht und als Ausdruck ihrer Wohlhabenheit auch Zierbrunnen aufzustellen. Doch mit dem allmhlichen Zerfall der groen Wasserleitungen ging auch die Brunnenkunst verloren.

Die Tradition der Zierbrunnen fand seine Fortsetzung in der altchristlichen Kirche, im ostrmischen Reich und in den arabischen Stdten. Auch die entstehenden Klster bauten sich ihre eigenen Wasserleitungen.

Aus den frhen mittelalterlichen Stdten und Siedlungen ist nur die primitive Anlage des hlzernen Einbaumes oder des Galgenbrunnens bekannt. Die allgemeine Wende im Brunnenbau trat erst im Sptmittelalter ein, als sich um 1200 die selbstndigen Stadtkulturen entwickelten. Die bessere Wasserversorgung wurde nicht nur ein hygienisches Bedrfnis der Stadt, gleichzeitig wurden Brunnen auch an besonderen Verkehrsmittelpunkten der Stadt, im Schloss und im Kloster knstlerisch und symbolisch geschmckt. Damit trat ein Wandel im Material ein. Anstelle der einfachen Holzbrunnen wurden Prachtbrunnen aus Stein und Metall errichtet. Groe und kleine Brunnen mit Ornamenten, Inschriften und figrlichem Schmuck kamen auf.

Waren die Brunnen bis jetzt fast ausschlielich Nutzbrunnen, so entwickelten sich in der folgenden Zeit die reinen Zierbrunnen und Wasserwerke. Im beginnenden 16. Jahrhundert kam der Monumentalbrunnen mit groen rundplastischen Figuren auf. Diese Brunnen wurden meistens an den zentralen Blickpunkten der Stdte errichtet und gehrten ausschlielich zur Ausschmckung der Stadt.

b) Der romanische Klosterbrunnen

In den Klstern hatten die Brunnen hygienische und kultische Bedeutung. Zu den einfachsten dieser Art gehrt der laufende Brunnen in Prfening bei Regensburg. Zu ihm gehrt als Brunnen ein liegender Lwe, aus dessen Sockel das Wasser in die Schale luft. Die erhaltenen romanischen Brunnen sind steinerne Schalenbrunnen. Der Zweischalenbrunnen mit Lwenkpfen in Maulbronn, der dreiteilige Brunnen mit Lwenkpfen in Klsheim und der Zweischalenbrunnen mit Lwenkpfen auf dem Marktplatz in Goslar, alle gehren dem 12. und 13. Jahrhundert an.

Alle romanischen Brunnen zeigen im Grundtyp:

mehrere sich verjngende Schalen,

Lwenkopfausgsse und

einen sulenartigen Mittelpfosten.

Der romanische Brunnen ist verwandt mit den Rhrenbrunnen der Antike. Auch diese Brunnen kennen mehrere bereinander liegende Schalen. Ob er sich jedoch aus diesem Typ entwickelt hat, wird sich wohl nicht ganz erforschen lassen. Der romanische Brunnen kann ebenso eine frei gefundene Weiterentwicklung der klsterlichen Taufschalen sein. Auch die Lwenkpfe, die eindeutig rmisch sind, lassen keine eindeutige Antwort zu. Da der Lwenkopf eine Zierde vieler mittelalterlicher Wassergefe und Schmuckgegenstnde war, kann die Form auch ber diesen Umweg wieder an die mittelalterlichen Brunnen gelangt sein, ohne dass die Brunnenbauer eine Kenntnis von antik-rmischen Brunnen gehabt haben.

c) Der gotische Brunnen

Eine nordische Neubildung ist der gotische Brunnen, der sich seit dem 14. Jahrhundert in den Stdten aus den bodenstndigen Gegebenheiten durch die brgerlichen Steinmetze herausbildete. Durch kriegerische Auseinandersetzungen, Epidemien und durch das Anwachsen der handwerklichen Gewerbe sahen sich die Stadtrte veranlasst, den Bewohnern der Stadt durch Brunnen und ffentliche Wasserleitungen reichlich gutes und frisches Wasser zuzufhren. Gewhnlich speiste jede Wasserleitung einen Brunnen, der aber oft eine Abzweigung fr gewerbliche oder private Zwecke hatte. Die Leitungen waren aus Holz und mussten von der Quelle zum Brunnen ein Geflle haben, weil Pumpwerke noch nicht bekannt waren.

Die Einordnung der Brunnen in das Gesamtbild der Stadt "geschah in einem vegetativen Rhythmus, nicht nach axial-symmetrischer Anordnung" 46). Wegen ihrer besonders reichlichen und sorgfltigen Gestaltung und Formung wurden diese Brunnen hufig "Schne" und "Hbsche Brunnen" genannt. Die Formung der Brunnen geschah durch die Bauhtten der groen Stadtpfarrkirchen oder durch Znfte der Stadt.

Die vielen verschiedenen gotischen Brunnen entstanden aus vier Grundtypen:

1) und 2). Diese beiden Grundformen entstanden am Ziehbrunnen. Die erste Form ist der zweischenklige, die zweite Form der dreischenklige Aufbau ber dem Brunnenschacht, an dem sich die Ziehvorrichtung befand.

3) Die einfachere Form des Laufbrunnens ist der Fialen-Pfeiler, aus dem das Wasser in ein meist lngliches Becken fllt. Die Brunnensule ist meist mit einer Einzelfigur geschmckt. Die Form lsst sich auf den "Lwen-Brunnen" in Nrnberg zurckfhren.

4) Die letzte und am strksten ausgearbeitete Grundform ist das vieleckige Brunnenbecken, in dessen Mitte der Brunnenstock steht. Der Stock ist zu einem fialenartigen Turm ausgestaltet, der nach sptgotischen Gesetzen konstruiert ist. Die Einzelheiten des Stockes in seinen Geschossen, Absetzungen, Baldachinen und Figuren sich die gleichen wie an den Strebepfeilern der Kirchen. Die Wirkung dieser Darstellungsform wird durch eine farbige Fassung noch gesteigert. Der lteste und bedeutendste Brunnen dieser Art ist der "Schne Brunnen" in Nrnberg.

 

III. Die Form des Brunnens

1) Die bildende Kunst am Ende des 14. Jahrhunderts

Im spten Mittelalter entwickelte sich in den Residenzen der Landesfrsten und in den freien Stdten des Reiches ein reiches knstlerisches Leben, das sich zunchst auf dem Gebiet der Baukunst entfaltete. In der Zeit von 1250 bis 1400 lste sich die Kunst allmhlich von der Vormundschaft der Kirche. Neben den kirchlichen Bauhtten entwickelten sich die brgerlichen Znfte. "Kirchlich aber blieb die Kunst der christlichen Vlker whrend dieses ganzen Zeitraumes in allen seinen Hauptuerungen ihrem innersten Wesen und Wollen nach, und gerade dem mystischen Aufschwunge der Gott suchenden Seelen verdankte sie ihre herrlichsten Schpfungen. 43).

Zu dieser Zeit hatte das Christentum das Vertrauen der ganzen Bevlkerung erobert. Bis weit in die romanische Zeit war das Christentum von der Bevlkerung noch nicht als eine Religion der gttlichen Liebe und Gnade verstanden worden. Dem Volke, ausgenommen einer Anzahl von Geistlichen und geistig Gebildeten, war es noch nicht die Religion, von der man einen Schutz im Diesseits erhoffen konnte. Das Bewusstsein, dass Gott den liebt, der ihn liebt, dass in jedem Lebewesen etwas von ihm ist, jeder an seiner Gnade teilhaben kann und dass der Mensch sich ihm ohne Scheu und Furcht nhern kann, war nicht vorhanden. Die christliche Religion wurde weithin noch in dem alten Sinne verstanden, der ihm schon bei der bernahme des Christentums zukam. Gott wurde als etwas Fernes, dem Menschen und allem Irdischen Entrcktes empfunden, das groe Macht ber die transzendenten Krfte hatte, von denen man die Welt beherrscht glaubte.

Keine Brcke des Gefhls verband die Glubigen mit den Gestalten des Christentums. Diese waren unnahbar und nur aus der Ferne ehrfrchtig mit Scheu anzubeten. Ihrer Hilfe schien man sich nur durch das Opfer, durch Schenkung von Land und Geld an die Kirche versichern zu knnen.

Die Mnche des Zisterzienserordens haben wesentlich zum Wandel dieser magischen Auslegung beigetragen. Sie haben als erste die Marienverehrung in das Volk getragen. Die Gottesmutter wird zur Frbitterin der Glubigen beim letzten Gericht, das mtterliche Erbarmen schlgt die ersten Brcken des Gefhls zu Gott.

Diese und andere Verehrungen haben dazu beigetragen, dass das Christentum seine magische Auslegung verlor. Gott und die Heiligen gewannen allmhlich eine bis jetzt unbekannte Menschlichkeit, Vertrautheit und Verstehbarkeit. Breite Schichten des Volkes erkannten, dass die Liebe und Gnade Gottes allen teilhaftig ist, und dass er ansprechbar und fr jeden erreichbar ist. Das Christentum wurde allmhlich als Religion der gttlichen Liebe und Gnade verstanden.

Im Verlaufe des 14. Jahrhunderts ging der Vorrang der Kirche in dem Mae zurck, wie das stdtische Brgertum an Ansehen und Bedeutung gewann. Die sich im Brgertum entwickelnden Lebensideale waren vllig anders als die der Geistlichkeit und des Adels. Diese Ideale standen auf dem Boden des realen Lebens. Man suchte Erfllung in den Tugenden des handwerklichen Knnens und Fleies, in der Sparsamkeit und auch in der Gemeinschaftlichkeit. Die Brger dachten in Realitten, was die Ursache fr den tief greifenden geistigen Wandel der Zeit wurde. Das Hervortreten der Einzelpersnlichkeit aus der bisherigen Anonymitt betont diesen Wandel besonders.

Zur wichtigsten Forderung dieser Zeit wurde die freie Entfaltung der Persnlichkeit im geistigen und politischen Leben. Breiteste Schichten des Volkes machten sich diese Forderung zu eigen. Die ausgesprochen demokratische Gesinnung und das wirklichkeitsnahe Denken verstrkten den Rckgang des kirchlichen Einflusses. Aus dieser Entwicklung, aus der die lutherische Reformation in Deutschland seine letzten Konsequenzen zog, ist auch die Vernderung der Kunst zu sehen.

Die wenigen Nachrichten ber die Knstler der damaligen Zeit sind meistens rein zufllig erhalten geblieben. In der Zeit der kirchlichen Bauhtten wurde im Kollektiv geschaffen, jeder Handwerker an seinem Platz und seinen Leistungen entsprechend. Jeder einzelne Handwerker war Glied eines Ganzen und galt gleich viel. So wrdigte auch die Geschichtsschreibung oft nur die Leistung des Kollektivs, Einzelleistungen wurden nur selten besonders hervorgehoben.

Das Verewigen durch Namenszeichen an einer Schpfung, das in Italien schon seit lngerer Zeit blich war, kam in Deutschland erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts auf und brgerte sich nur ganz allmhlich ein. Deshalb gewinnen die alten Kmmereirechnungen der Stdte eine erhebliche Bedeutung als Namensquelle. Die Baumeister und Handwerker, die in diesen Rechnungen genannt sind, bauten im Auftrage des Rates Markthallen, Rathuser, Wehranlagen usw. Viele von diesen Handwerkern gingen oft auf Wanderschaft. So ist es wahrscheinlich, dass sie nicht nur an Profanbauten, sondern auch an sakralen Bauwerken gearbeitet haben. Mit dem Ansteigen der schriftlichen berlieferungen sinkt jedoch das Bauen von groen Kathedralen und wendet sich mehr den profanen Bauwerken zu. Am Ende des 14. Jahrhunderts kannte die Gesellschaft noch keine Knstler, wie sie in unserem Sinne bekannt sind. Fast jeder Handwerker hat es mit seinen geringen Hilfsmitteln zu knstlerischen Leistungen gebracht.

Die aus Frankreich kommende Gotik begann ihren Lauf um die Mitte des 13. Jahrhunderts durch ganz Europa. Auch in Deutschland ging die Gotik als tonangebender Stil aus den Auseinandersetzungen mit den berlieferten Formen hervor. In den verschiedenen Lndern passte sie sich den verschiedenen Aufgaben, Baumaterialien und Volkstmlichkeiten an und stand noch unter der Vormundschaft der Kirche. Die mittelalterliche Baukunst sah ihre wichtigste Aufgabe in der Schaffung von Kirchen, und es war in bevorzugtem Mae der Sakralbau, an dem sich der Verlauf des gotischen Stiles mit allen seinen Wandlungen vollzog. In ihm haben sich das strukturelle System und der Formreichtum gebildet. Was an Profanbauten in dieser Zeit entstand, bernahm weitgehend die am Sakralbau entwickelten Formen.

Das gotische Schaffen ist grundstzlich verschieden von dem Gestalten der schweren romanischen Baukunst. Nicht nur in den jeweiligen formalen Ausdrucksmitteln unterscheiden sich diese Zeitstile, sondern grundstzlich durch den unendlich erweiterten Horizont der Betrachtungsweisen. Ein scharfer Verstand und ein rastloses Vorwrtsstreben kennzeichnen die gotische Kunst. In ihrer Gestaltung wird das Sinnvolle vor das Sinnhafte gestellt.

Welche Bereicherung der Stil allein in der Ornamentik geschaffen hat, macht schon der vielseitige Schmuck der Kapitelle in den Kirchen deutlich. Das Streben der Bevlkerung nach einer Lsung von den kollektiven Bindungen, Lebensgenuss, Prachtliebe und hier und da auch Glaubenszweifel werden mit der fortschreitenden Entwicklung der Kunst immer deutlicher.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts war in Norddeutschland allgemein der sptgotische Stil vorherrschend. Das strenge, gesetzmige Gestalten der Hochgotik wurde abgelst von einer freieren und individuelleren Gestaltung der einzelnen Knstler. Eine starke Strmung zum Realistischen machte sich bemerkbar. Man versuchte, der Natur in allen Kunstrichtungen nher zu kommen. Die richtige Wiedergabe der landschaftlichen Hintergrnde in der Malerei und Bildnerei machte groe Fortschritte. Die Stein- und Metallplastiken verloren ihre starre Haltung und gewannen mehr und mehr an Ausdruck und Leben.

In Norddeutschland, wo der Haustein nicht zu finden war, trat die Steinplastik erst im beginnenden 15. Jahrhundert auf. Die Steine wurden von den hansischen Kaufleuten aus Westfalen nach Sachsen transportiert. Umso strker entwickelten sich in diesem Gebiet die Holzschnitzerei und der Metallguss. Der Einfluss des romanischen Stils blieb jedoch in Norddeutschland lnger bestehen als in anderen Teilen des Reiches.

Im gotischen Profanbau wurde auf knstlerischem Gebiet anfangs nach den Gesetzen des Sakralbaues gebaut. Die Formgestaltung nahm jedoch bald brgerliche Zge mit eigener Formentwicklung an und wurde unabhngig vom Sakralbau. Ein groer Nachdruck lag beim Profanbau in der Zweckbestimmtheit. Die Bauwerke waren in der Gestaltung der Form meistens bewusst geistig und nicht willkrlich geschaffen. "Die Wandlung des knstlerischen Ausdrucks, die eine Burg des 13. Jahrhunderts und ein Schloss des 15. Jahrhunderts unterscheidet, ist unmittelbar Ausdruck der Zeitgesinnung. ... Sie zeigen die Kultur des Gotischen innerhalb all ihrer Wandlungen bereit und begabt, dem Leben der Zeit die bestimmte Wrde und das Ansehen groer Form zu geben" 44).

Die Schpfungen sind nicht mehr vom Dmonischen behaftet, sondern es spricht aus ihnen die natrliche Kraft, die Lebensweisheit und Daseinsfreude. Inhaltlich wachsen Einzelheit und Umfang der Sachschilderungen. "Inhalt und Umfang der geistigen Vorstellungen und Interessen des Mittelalters, ... sie sind nirgendwo anschaulicher ausgebreitet als im Motivschatz der gotischen Kleinknste. ... Arbeitsantrieb und technische Voraussetzungen stammen aus den alten Lehrsttten der mittelalterlichen Handwerkskunst, den Klstern" 45).

Zu diesen Knsten gehren die Glas- und Buchmalerei, die Schnitz-, Gie-, und Goldschmiedekunst.

 

2) Entwicklungsgeschichte der Brunnen bis etwa 150O

a) Die allgemeine Entwicklung

Im Gegensatz zu den jagenden Vlkern entwickelten die Hirten- und Bauernvlker schon sehr frh die knstliche Fassung einer Quelle, um ihr Vieh besser trnken zu knnen. In der Bronzezeit wurden Zisternen gegraben und mit Holzbohlen eingefasst. Kurze Wasserleitungen baute man aus gehhlten Baumstmmen. Die weiterentwickelte Form der Zisterne ist der zylindrische Schacht- oder Kesselbrunnen, der tief ausgeschachtet und teilweise gemauert oder in den Fels gesprengt wurde. Die Schpfeinrichtung des Brunnens richtete sich stets nach der Hhe des Wasserspiegels. Das Wasser wurde mit Seil und Roller, mit einer Stange oder durch ein Tretrad dem Brunnen entnommen. Aus dem Pumpbrunnen, aus dem das Wasser mit Stangen entnommen wurde, entwickelten sich die Hauptglieder:

der Kasten, als Behlter fr Fische oder zum Waschen,
der Trog, zur Viehtr
nke und
der Stock, zur Aufnahme der Wasserleitung.

Die Stadtkultur stellte hohe Ansprche an die weitreichenden Wasserleitungen, so dass sich hier die laufenden Rhrenbrunnen und Wasserwerke entwickelten.

Die griechischen Stadtstaaten und spter auch die Rmer bernahmen die Vorbedingungen zu ihren groen Brunnenhusern und Marktbrunnen von den alten Kulturen des Orients. Die meisten Brunnen waren bei allen Vlkern in erster Linie Nutzbrunnen. Die Rmer begannen mit der Zunahme ihrer Macht und als Ausdruck ihrer Wohlhabenheit auch Zierbrunnen aufzustellen. Doch mit dem allmhlichen Zerfall der groen Wasserleitungen ging auch die Brunnenkunst verloren.

Die Tradition der Zierbrunnen fand seine Fortsetzung in der altchristlichen Kirche, im ostrmischen Reich und in den arabischen Stdten. Auch die entstehenden Klster bauten sich ihre eigenen Wasserleitungen.

Aus den frhen mittelalterlichen Stdten und Siedlungen ist nur die primitive Anlage des hlzernen Einbaumes oder des Galgenbrunnens bekannt. Die allgemeine Wende im Brunnenbau trat erst im Sptmittelalter ein, als sich um 1200 die selbstndigen Stadtkulturen entwickelten. Die bessere Wasserversorgung wurde nicht nur ein hygienisches Bedrfnis der Stadt, gleichzeitig wurden Brunnen auch an besonderen Verkehrsmittelpunkten der Stadt, im Schloss und im Kloster knstlerisch und symbolisch geschmckt. Damit trat ein Wandel im Material ein. Anstelle der einfachen Holzbrunnen wurden Prachtbrunnen aus Stein und Metall errichtet. Groe und kleine Brunnen mit Ornamenten, Inschriften und figrlichem Schmuck kamen auf.

Waren die Brunnen bis jetzt fast ausschlielich Nutzbrunnen, so entwickelten sich in der folgenden Zeit die reinen Zierbrunnen und Wasserwerke. Im beginnenden 16. Jahrhundert kam der Monumentalbrunnen mit groen rundplastischen Figuren auf. Diese Brunnen wurden meistens an den zentralen Blickpunkten der Stdte errichtet und gehrten ausschlielich zur Ausschmckung der Stadt.

b) Der romanische Klosterbrunnen

In den Klstern hatten die Brunnen hygienische und kultische Bedeutung. Zu den einfachsten dieser Art gehrt der laufende Brunnen in Prfening bei Regensburg. Zu ihm gehrt als Brunnen ein liegender Lwe, aus dessen Sockel das Wasser in die Schale luft. Die erhaltenen romanischen Brunnen sind steinerne Schalenbrunnen. Der Zweischalenbrunnen mit Lwenkpfen in Maulbronn, der dreiteilige Brunnen mit Lwenkpfen in Klsheim und der Zweischalenbrunnen mit Lwenkpfen auf dem Marktplatz in Goslar, alle gehren dem 12. und 13. Jahrhundert an.

Alle romanischen Brunnen zeigen im Grundtyp:

mehrere sich verjngende Schalen,

Lwenkopfausgsse und

einen sulenartigen Mittelpfosten.

Der romanische Brunnen ist verwandt mit den Rhrenbrunnen der Antike. Auch diese Brunnen kennen mehrere bereinander liegende Schalen. Ob er sich jedoch aus diesem Typ entwickelt hat, wird sich wohl nicht ganz erforschen lassen. Der romanische Brunnen kann ebenso eine frei gefundene Weiterentwicklung der klsterlichen Taufschalen sein. Auch die Lwenkpfe, die eindeutig rmisch sind, lassen keine eindeutige Antwort zu. Da der Lwenkopf eine Zierde vieler mittelalterlicher Wassergefe und Schmuckgegenstnde war, kann die Form auch ber diesen Umweg wieder an die mittelalterlichen Brunnen gelangt sein, ohne dass die Brunnenbauer eine Kenntnis von antik-rmischen Brunnen gehabt haben.

c) Der gotische Brunnen

Eine nordische Neubildung ist der gotische Brunnen, der sich seit dem 14. Jahrhundert in den Stdten aus den bodenstndigen Gegebenheiten durch die brgerlichen Steinmetze herausbildete. Durch kriegerische Auseinandersetzungen, Epidemien und durch das Anwachsen der handwerklichen Gewerbe sahen sich die Stadtrte veranlasst, den Bewohnern der Stadt durch Brunnen und ffentliche Wasserleitungen reichlich gutes und frisches Wasser zuzufhren. Gewhnlich speiste jede Wasserleitung einen Brunnen, der aber oft eine Abzweigung fr gewerbliche oder private Zwecke hatte. Die Leitungen waren aus Holz und mussten von der Quelle zum Brunnen ein Geflle haben, weil Pumpwerke noch nicht bekannt waren.

Die Einordnung der Brunnen in das Gesamtbild der Stadt "geschah in einem vegetativen Rhythmus, nicht nach axial-symmetrischer Anordnung" 46). Wegen ihrer besonders reichlichen und sorgfltigen Gestaltung und Formung wurden diese Brunnen hufig "Schne" und "Hbsche Brunnen" genannt. Die Formung der Brunnen geschah durch die Bauhtten der groen Stadtpfarrkirchen oder durch Znfte der Stadt.

Die vielen verschiedenen gotischen Brunnen entstanden aus vier Grundtypen:

1) und 2). Diese beiden Grundformen entstanden am Ziehbrunnen. Die erste Form ist der zweischenklige, die zweite Form der dreischenklige Aufbau ber dem Brunnenschacht, an dem sich die Ziehvorrichtung befand.

3) Die einfachere Form des Laufbrunnens ist der Fialen-Pfeiler, aus dem das Wasser in ein meist lngliches Becken fllt. Die Brunnensule ist meist mit einer Einzelfigur geschmckt. Die Form lsst sich auf den "Lwen-Brunnen" in Nrnberg zurckfhren.

4) Die letzte und am strksten ausgearbeitete Grundform ist das vieleckige Brunnenbecken, in dessen Mitte der Brunnenstock steht. Der Stock ist zu einem fialenartigen Turm ausgestaltet, der nach sptgotischen Gesetzen konstruiert ist. Die Einzelheiten des Stockes in seinen Geschossen, Absetzungen, Baldachinen und Figuren sich die gleichen wie an den Strebepfeilern der Kirchen. Die Wirkung dieser Darstellungsform wird durch eine farbige Fassung noch gesteigert. Der lteste und bedeutendste Brunnen dieser Art ist der "Schne Brunnen" in Nrnberg. (Abb. 15).

 

3.) Die Form des Brunnens

"Die innerliche Folgerichtigkeit eines Kunstwerkes beruht auf den Beziehungen zwischen den Teilen und dem Ganzen. ... Die organische Geschlossenheit auf ein Ma, eine Verhltniszahl, kurz: auf einen rationalen Kanon zu bringen, ist seit dem Altertum das Ziel der Proportionslehren" 47). Auch der Formwille dieses Brunnenknstlers strebte nach Symmetrie und Gleichgewicht, das sich auf ein geometrisches Schema bezieht .Der Knstler, der "die wohl gefgte, unverrckbare Ordnung des Universums veranschaulichen will", greift "... zu geometrischen, messbaren Endformen, ... wenn er den subjektiven Rausch eines noch unartikulierten Weltbefindens zu seinem Gestaltungsanlass nimmt 48).

Durch die Ausstattung mit Schmuckwerk werden die Schrfen und Grenzlinien des massiven Baukrpers abgeschwcht und es kommt so zu einer organischen Krperbildung. Als Grenzfall zwischen Bauwerk und Plastik kommt der Brunnen "der klaren, in sich ruhenden und nirgends ber sich selbst hinausweisenden Formgestalt" 49) der Plastik am nchsten.

Der Schpfer rechnete mit der Nah- und Fernwirkung des Werkes. Durch die stark bereinander liegenden Schalen tritt in der Fernwirkung eine starke Gliederung in tragende und lastende Zonen auf. Die gotisch geformten Beckensttzen lsen die scharfe Trennung auf und schaffen ruhige bergnge. Die starke Vertikalitat des Brunnens geht jedoch dabei nicht verloren. Fr die Nahwirkung sind die Profile und der Figurenschmuck der Beckenrnder bestimmt. Dabei entstand ein Rundkrper, der umgangen werden will.

 

a) Die Stilelemente

Seiner gesamten Form nach gehrt der Brunnen auf dem Altstadtmarkt nicht zu den gotischen Brunnen. In der Grundform bernimmt er den Typus des antiken Brunnens mit bereinander liegenden, nach oben kleiner werdenden Schalen. Es ist jedoch nicht der einzige Brunnen aus dieser Zeit, der die Form des Schalenbrunnens wieder aufgreift. Auch der Schalenbrunnen auf dem Hagenmarkt von 1407 50), der Schalenbrunnen von Wernigerode und einige andere zeigen, dass der Schalenbrunnen in Norddeutschland sehr beliebt war und ein reiches Nachleben hatte.

Im Gegensatz zu den mittelalterlichen Brunnen greift jedoch dieser die antike Form der Schalen nicht auf. Der Rand ist bedeutend steiler und hher, wodurch die ganze Schale tiefer wird. Durch den hohen Rand wurde es mglich, die Schalen reichlich mit Schmuck zu versehen. Die Schalenform kann durch den Einfluss von Glockengieern entstanden sein, die in dieser Zeit viele steilwandige Taufbecken gegossen haben. Noch ein weiterer Unterschied besteht zwischen den antiken und diesen Brunnenschalen. Die antiken Schalen waren oft auf berlauf gearbeitet. Der berlauf, der den ganzen Brunnen mit einem glnzenden Wasservorhang verdeckte, ist knstlerisch reizvoller. Er stellte aber auch hhere Anforderungen an die Anlage. Ein starker Zu- und Abfluss musste vorhanden sein, wenn der Wasservorhang nicht drftig wirken sollte. Auch musste die Anlage genau winklig ausgerichtet werden, damit das Wasser nicht nur an einer Seite ablaufen konnte. Diese Brunnen hatten in den sdlichen Lndern meistens nur die Aufgabe, die Luft zu befeuchten und Khle zu spenden.

Die Schalen des Braunschweiger Brunnens sind dagegen mit einzelnen Wasserdurchlssen versehen. Das Wasser luft in Strahlen ab. Der Wasservorrat war fr einen berlauf nicht ausreichend, auch eignete sich der Strahl besser zum Fllen von Gefen. Die kesselartige Form der Schalen lassen sie als metallen erkennen.

Die Wasserdurchlsse, die zu Lwenkpfen geformt sind, sind ohne Zweifel rmisch. Aber auch hier kann nicht behauptet werden, dass der Baumeister die Form einem rmischen Brunnen abgesehen hat. An Ziergefen war der Ausguss nicht selten zu einem Lwenkopf geformt. Deshalb ist es auch mglich, dass der Lwenkopf auf dem Umweg ber die Gefe wieder an den Brunnen gelangen konnte.

Bei einer Aufgliederung des Brunnens in einzelne Stilelemente ist es jedoch nicht mglich, das Gesamtwerk in Einzelteile zu zerlegen und den verschiedenen Kunstepochen zuzuordnen. Er ist vielmehr in seiner Gesamtheit zu betrachten. Gehrt der Brunnen auch nicht einem reinen gotischen Typus an, so ist er doch in seiner Gesamtheit vom gotischen Geist erfllt. Der schlanke Aufbau eines Fialenbrunnens ist beibehalten und in sorgfltiger Umbildung zu einem Schalenbrunnen mit mehrfacher Wasserabgabe gestaltet.

Jede Schale ist nur um das notwendigste Ma gegenber der oberen verbreitert worden und wahrt den Gesamtcharakter des schlanken Umrisses.

Der gotische Stil spiegelt sich am deutlichsten in dem Fialenabschluss ber dem Oberbecken wieder. Bei einem Vergleich der heutigen Laterne mit der von Howaldt, die 1847 geschaffen wurde (Abb. 2 und 3), treten mehrere Unterschiede auf. Die Fialenpfeiler von Howaldt waren krzer als heute. Dadurch wurde der Helm steiler und lnger, denn die Kreuzblume an der Spitze sollte in der ursprnglichen Hhe bleiben. Der Ziergiebel zwischen den Fialenpfeilern war flacher; der Winkel an der Spitze des Helmdaches war grer als heute. Dadurch wurde die Hhe des Helmdaches betont. Auf den Helmstreben waren bedeutend mehr und kleinere Krabben angebracht. Das Helmmawerk war in drei Abschnitte gegliedert, in jedem Abschnitt befand sich ein Dreipass.

Kump fand eine neue Lsung fr den Fialenabschluss. Die Pfeiler sind heute lnger. Sie enden in einem Turm, der mit Wimperge 51) und Krabben verziert ist und an der Spitze mit einer Kreuzblume abschliet. Der Ziergiebel zwischen den Pfeilern ist mit einem Vierpa an der Spitze und unter einem Bogen mit einem Teil eines Sechspasses geschmckt. Durch die Verlngerung der Pfeiler wird die Wirkung der Madonna in dieser Laterne verbessert. Der Giebel endet an der Spitze in einer Kreuzblume. (Abb. 49).

Das Mawerk des Helmdaches wird aus einem offenen Dreipass in der Spitze gebildet, darunter ein geschlossener Dreipass, ein Vierpass und ein Fnfpass. Das Mawerk hinter dem Giebel ist nur angedeutet. Die einzelnen Psse setzen sich aus geschlossenen Innenkreisen und nicht aus Dreiviertelkreisen zusammen. Deshalb sind im Mawerk keine Spitzbogen zu finden. Die Helm- und Giebelstreben sind mit Krabben versehen. Diese Krabben entsprechen der Form nach denen des 14. Jahrhunderts. Sie sind jedoch nicht in Blattformen ausgearbeitet sondern stilisiert. Das gleiche gilt fr die Kreuzblumen an den Pfeilern, Giebeln und an der Spitze des Brunnens (Abb. 49 und 50). Insgesamt ist die Fiale mit 68 Krabben und neun Kreuzblumen geschmckt.

Ursprnglich hatte der Brunnen kein Steinbecken am Fue der Sule (Abb. 1). Die Aufgabe des Steinbeckens, den notwendigen Wasservorrat die Senkrechte ist unterbrochen. Die Zeichnung von Heubach 52) zeigt einen anderen Wasserverlauf. Danach luft das Wasser in Strahlen senkrecht untereinander ab, nur die Lwenkpfe des Mittelbeckens sind versetzt.

Die Senkrechten erscheinen hier gleichlang. Die als "groe Senkrechte" bezeichnete Linie beginnt in der Kreuzblume des Fialenpfeilers und endet im groen Metallbecken. Sie wird nur im letzten Teil von einem Wasserstrahl gebildet. Die "kleine Senkrechte" beginnt am Zinnenkranz und endet im steinernen Becken. Sie setzt sich aus Wasserstrahlen, unterbrochen von einer Sttze, zusammen. Danach muss bei der Restauration von 1847 nicht nur die Fialenform, sondern auch die Wasserfhrung verndert worden sein.

 

c) Die mathematischen Grundlagen

Durch Triangulieren und Quadrieren von bestimmten Grundmaen legten die Dombaumeister des Mittelalters die Proportionsverhltnisse des gesamten Bauwerkes fest. Das einfachste Verfahren ist das des Triangels, des gleichseitigen Dreiecks (Abb. 54). Durch Verbinden der Fupunkte der Hhen entsteht ein kleines gleichseitiges Dreieck, dessen Seitenlnge 1 = s ist, usw. Das Quadrat wurde in hnlicher Weise behandelt, doch zeigt sich hier ein Unterschied zum Triangel. Das durch Verbinden der Seitenhalbierungspunkte entstandene kleinere Quadrat hat weder die halbe Seitenlnge des Ausgangsquadrates noch mit ihm gemeinsame Diagonalen, die im Quadrat an die Stelle der Hhen im Triangel treten (Abb. 52).


Aufri / Quadratur und Triangulatur

Erst im zweiten konstruierten Quadrat trifft beides zu. Whrend die Triangulatur eine Seihe konzentrischer Figuren liefert, entstehen bei der Quadratur zwei Reihen. Da das Verfahren jedoch auf einer fortgesetzten Halbierung der Abmessung beruht, knnten die gleichen Ergebnisse auch mit einer passend eingerichteten Triangulatur ermittelt werden.

Die Quadratur gewinnt erst an Bedeutung, wenn eine "Schwenkung" vorgenommen wird, so dass zwei gleiche Quadrate zum Achteck verbunden sind (Abb. 53). Die Bedeutung liegt nicht in einer Erweiterung der Reihe der Quadrate, sondern in den in dieser Figur auftretenden gleichschenkligen Dreiecken (rot) mit einem Scheitelwinkel von 45. Aus diesen Dreiecken lsst sich eine Triangulatur begrnden, die auf den Grundlagen des gleichseitigen Dreiecks beruht. Diese so genannte Viertel = Triangulatur erweist sich als leistungsfhiger und praktischer. Im 13. Jahrhundert kam diese Proportionslehre in Deutschland zur systematischen Ausbildung und wurde in dem von Frankreich kommenden gotischen Baustil fast ausschlielich verwendet.

Grundri / Quadratur und Triangulatur

Ein Schema fr diese Triangulatur gibt Abb. 54. "In einem ber der Basis AB beschriebenen Pi-Viertel= Dreieck ABC werden zunchst die Hhen CF, AB' und BA' construirt (sic), sie schneiden sich in S' und haben die Fupunkte F, B', A'. Durch die Verbindungslinie von A' mit B' erhlt man ein neues 'Pi-Viertel= Dreieck, mit welchem ebenso verfahren werden kann; dabei entstehen die Fupunkte F', A" und S" so wie die Gerade A"B"." 53) Die Konstruktion kann nach oben und unten weitergefhrt werden. "Da die Grenverhltnisse der in der Triangulatur auftretenden gleichwertigen Abschnitte eine geometrische Reihe mit dem Exponenten 1 durch bilden, wie es auch in der Quadratur der Fall ist, zeigen folgende berlegungen: Der Winkel ACB ist ein halber Rechter = Pi-Viertel. Das rechtwinklige Dreieck AB'C hat bei A ebenfalls einen solchen und bildet ber der Diagonale AC = a ein halbes Quadrat. AB1 = B'C = A'C - a'= a-Halbe". Man findet die rechtwinkligen Dreiecke A'B"C, A"B" 'C, ... auf gleiche Weise a" = a' durch Wurzel aus 2 = a-Halbe, a = a" durch Wurzel aus 2 = a'Halbe = a durch 2 mal Wurzel aus 2 und so weiter.

Die Dreiecke bilden demnach eine Reihe von Halbquadraten, wie sie als ganze Quadratur entstehen wrden. Weil nun die Dreiecke ABC, A'B'C', A"B"C"... alle einander hnlich sind, homologe Seiten von ihnen als gleiches Verhltnis haben, d. h. wenn AB = s, A'B'=s'=

All=BII=s1', die Proportion s : s' :s:... = a : a' : a : ... besteht, so hat man auch s' = s durch Wurzel aus 2, s = s-Halbe, s = s durch 2 mal Wurzel aus 2 und es sind somit die Grundlinien der bei der Triangulatur auftretenden Pi-Viertel = Dreiecke den entsprechenden Seiten von Quadraten, welche die Quadratur der Hauptbasis liefert, gleich." 54)

Am 20. Januar 1947 gelang es Kump, diese Gesetzmigkeit am Brunnen auf dem Altstadtmarkt festzustellen. Nach der Methode von Drach fand er heraus, dass im Aufriss des Brunnens alle wichtigen Punkte mit Hilfe der Pi-Viertel = Triangulatur konstruiert waren. Im Grundriss des Brunnens war vom Erbauer die Quadratur verwendet worden.

Danach bildet die Mittellinie des Brunnens im Aufriss (s. Abb. 56) vom Boden bis zum Kreuzblumenabschluss die Diagonale KN eines auf der Spitze stehenden Quadrates KLNO. Der Mittelpunkt M des Quadrates bildet den Mittelpunkt des Brunnens. Der Rand des mittleren Beckens bildet einen Teil der zweiten Diagonale LO. Das durch Schwenkung des Quadrates entstehende Achteck bestimmt mit der Sekante K'O' die Hhe der Helmsttzen und die obere Flche der Kreuzblume auf den Streben zwischen den beiden Sttzen. Am Schnittpunkt der Sekante K'O' mit der Mittellinie KN entsteht der Punkt C. Im folgenden kleineren Quadrat ABOK befinden sich der Verlauf des Wassers und smtliche Darstellungen des Brunnens. Eine im Punkt C konstruierte Triangulatur legt die wichtigsten Punkte im Aufriss fest. Entsprechend Abb. 54 bestimmt die Verbindungsstrecke AB den erdnchsten Punkt des unteren Metallbeckens und FN die Hhe des Steinsockels. S1 bestimmt die Hhe des ersten Beckenrandes, M(=S''), den Rand des zweiten Beckens und die Verbindungsstrecke A"'B"' den Rand des oberen Beckens. Der Punkt Sv legt den Abschluss des Zinnenkranzes fest. Die Verjngung und die Tiefe eines Beckens wird im Wesentlichen durch den jeweiligen Halbmesser des Beckens bestimmt. Auch die Grundlinien der Darstellungen an den Becken, die Verzierungen der Beckensttzen und die Verzierungen des Steigrohres knnen durch die Triangulatur gefunden werden, indem verschiedene Figuren konstruiert werden, wie es in Abb. 54 farbig angedeutet worden ist.

Die Gesamthhe des Brunnens vom Boden bis zur Windfahne wird bestimmt durch eine Parallele TV zu AC, welche die Strecke AK im Punkt Z schneidet. Eine zweite Triangulatur TUV im Punkt V besttigt und erweitert die Konstruktion der Triangulatur ABC.

Im Grundriss (vergl. Abb. 55) ist der mittlere Durchmesser des Steigrohres das Ausgangsma fr die Becken. Wird die Quadratur vom Mittelpunkt ausgehend konstruiert, so entspricht das Steigrohr dem einbeschriebenen Kreis des Quadrates q (in Abb. 55 rot). Das Quadrat q' ist notwendig zur Konstruktion des folgenden q. Der Durchmesser des umschriebenen Kreises zu q'1 ist gleich dem Durchmesser des oberen Beckens. Die ber den Seiten von q1' konstruierten gleichschenkligen Dreiecke mit einem Scheitelwinkel von 45 bestimmen in Punkt C einen Zwischenkreis (gestrichelt), dessen Halbmesser gleich dem Durchmesser des Mittelbeckens ist. Der Durchmesser des unteren Beckens ist gleich dem einbeschriebenen Kreis des Quadrates im Zwischenkreis. Der theoretische Halbmesser des Steinbeckens (Kreis dnn gezeichnet) ist gleich dem Durchmesser des unteren Metallbeckens.

Mit Hilfe der noch erhalten gebliebenen Mae des zerstrten Brunnens berechnete Kump 1947 die durch die Triangulatur gefundenen Mae. Die Differenz zwischen den berechneten und durch Konstruktion gefundenen Hhenmaen betrug 3 cm. 55). Welche Abmessungen im Einzelnen die Schlssel fr die Berechnungen waren, ist unbekannt. Von den Trmmern des Brunnens war das untere Metallbecken am besten erhalten, so dass diese Mae den Berechnungen zugrunde gelegt sein knnen.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen sind:

Gesamthhe des Brunnens bis zur Windfahne

8310 mm

Brunnenhhe bis zum Kreuzblumenabschluss

7523 mm

Ab Boden bis Rand Mittelbecken = halbe Brunnenhhe = R =

3760 mm

Ab Boden bis zum Rand groes Unterbecken =
S'N = Rmal einhalb mal Wurzel aus 2 = 3,76. 07071

2659 mm

Ab Boden bis Rand Oberbecken =
R-Halbe mal mal Wurzel aus 2 mal R
R-Viertel mal 1/8 mal Wurzel aus 8 mal R =

4815 mm

Ab Boden bis Abschluss Zinnenkranz = Rand Oberbecken =

Ein Achtel mal Wurzel aus 2 mal R

5482 mm

 

 

Im Grundri:

 

Mittlerer Durchmesser des Steigrohres = A =

396 mm

Durchmesser des Oberbeckens = B =
A mal 2Wurzel2 =
396 mal 2,8284

1120 mm

(a)

Der Durchmesser des Mittelbeckens C verhlt sich zum Durchmesser des Unterbeckens D wie 1 zu 2 = C durch D. Der Durchmesser des Unterbeckens konnte gemessen werden. Er betrug

 

 

1923 mm

Damit lsst sich C errechnen. C = D mal 1/2 l . V~2 = 1923 . 0,7071 =

1360 mm

(a)

Das Ma D wird besttigt durch die Gegenrechnung
D = C mal Wurzel aus 2 = 1360 mal 1,4142 =

1923 mm

(a)

 

Gegenberstellung

Nach Winter Rechnerisch belegte
ehemalige Originalmae


Auch geometrische Beziehungen der Beckendurchmesser untereinander stellte Kump fest.

a) Konstruiert man mit den Durchmessern des Mittel- (CA) und Unterbeckens (BC) als Katheten ein rechtwinkliges Dreieck, so ist die Entfernung der Winkelhalbierenden CD auf die Hypotenuse gleich dem Durchmesser des Oberbeckens.

b) In einem rechtwinklig-gleichschenkligen Dreieck ABC mit dem Durchmesser des Mittelbeckens als Katheten BC und CA ist die Hypotenuse AB gleich dem Durchmesser des Unterbeckens.

c) Im rechtwinklig-gleichschenkligen Dreieck mit den Kathetenlngen BC und CA = Durchmesser des Unterbeckens ist der Durchmesser des Mittelbeckens gleich der Mittelsenkrechten CD auf die Hypotenuse.

d) In einem rechtwinkligen Dreieck, in dem der Durchmesser des Mittelbeckens = Kathete BC und der Durchmesser des Unterbeckens = Kathete CA ist, wird der Durchmesser des Oberbeckens bestimmt, wenn mit CA ein Kreisbogen um A auf die Hypotenuse AB geschlagen wird. Vom Schnittpunkt D wird ein Lot auf CA gefllt. Die entstandene Strecke DE ist gleich dem Durchmesser des Oberbeckens.

Trotz des strengen geometrischen und rechnerischen Aufbaus, der wie an diesem Brunnen der gesamten Gotik eigen war, wurden immer neue Formen geschaffen. Unter dem Schema auf mathematischem Grund, dem Gerst und Struktursystem unterworfen waren, entstand etwas Lebendiges. Der knstlerische Einfall triumphiert durch Schnheit ber ein strenges System.

 

4.) Die neuen Figuren von Werner Kump

Obwohl das Verdienst um die Errettung des Brunnens unbestritten ist, obwohl der Restaurator nicht nur mit handwerklichem Knnen und groem Feingefhl gearbeitet und unwiederbringlich Verlorenes ergnzt hat, bedarf es ebenfalls einer Wrdigung des figrlichen Schmucks. Die mittelalterlichen Figuren, Madonna und Evangelisten, waren verloren gegangen und es stellte sich Kump die Aufgabe, sie zu ersetzen. Er whlte nicht die Mglichkeit des Versuchs einer genauen Nachbildung der Figuren, die ohnehin unzulnglich gewesen wre, sondern schuf diese Plastiken neu. Die Figuren tragen, von unten durch den Abstand vom Betrachter nicht wahrnehmbar, ein modernes Gesicht (Abb. 15 bis 207), deren Herbheit des Ausdrucks noch die Erinnerung an den entsetzlichen Krieg widerspiegeln.

Bei aller Schwche der Einzelplastiken muss man diesen Weg als eine Mglichkeit der Gestaltung anerkennen, vor allem weil beim Anblick des Brunnens die Wirkung der Einzelfiguren zurcktritt und sie sich in Gre und Gestik sinngem in das Gesamterscheinen einordnen und so dem Erscheinungsbild treu bleibt.

5.) Ein Vergleich mit dem "Schnen Brunnen" in Nrnberg

Der "Schne Brunnen" in Nrnberg ist einer der ltesten und reichhaltigsten gotischen Brunnen in Deutschland. Die fast 19 m hohe Steinpyramide steht an der Nordseite des Hauptmarktes vor dem Rathaus. Aus einem achteckigen Wasserkasten steigt der mchtige Brunnenstock empor. "Er fhrt seinen Namen mit Recht, denn mit seinem reichen, durch Farbe und Gold gehobenen plastischen Schmuck, ist er der lebendige Ausdruck einer aus Kraftberschuss entspringenden Formfreudigkeit." 58) Der Brunnenstock ist nach den architektonischen Gesetzen des Sakralbaues konstruiert und geformt, und gleicht in seinen Stockwerken dem Turm einer gotischen Kathedrale. Die Stockwerke sind mit Mawerk, Wimpergen, Fialentrmen, Krabben und Kreuzblumen geschmckt. 40 mnnliche Vollplastiken, von denen 24 unter Baldachinen an Strebepfeilern stehen, bringen die verschiedensten Themenkreise zum Ausdruck.

Auf dem Rand des Steinbeckens sitzen 16 Figuren in zwei Reihen. In der ersten Reihe sind die Philosophie und die sieben freien Knste dargestellt. Dahinter sitzen in einer zweiten Reihe die vier Evangelisten und vier Kirchenvter. In der dritten Figurenreihe in der unteren Etage des Brunnenstockes stehen 16 Figuren, die Wappenschilde tragen. Dargestellt sind die sieben Kurfrsten und die guten Helden. In der vierten Reihe im mittleren Stockwerk stehen Moses und sieben Propheten des Alten Testamentes. Im letzten Stockwerk befindet sich kein Figurenschmuck, es leitet ber in die Spitze des Brunnens, die mit dem Wappen der Stadt Nrnberg versehen ist.

Unterscheidet sich der Braunschweiger Brunnen vom "Schnen Brunnen" in seiner Form, so erscheinen doch 28 der 40 Personen, die in Nrnberg dargestellt sind. Am Braunschweiger Brunnen fehlen die Philosophie, die sieben freien Knste und die vier Kirchenvter. Der Personenkreis ist in Braunschweig um das Rmische Reich, die Landesherren, die Stadt, die Madonna und die vier Knige und sieben Propheten des Alten Testamentes erweitert. Auch eine Heiligenfigur, der der Brunnen geweiht war, ist am "Schnen Brunnen" nicht vorhanden. Der Ausdruck der Zeitgesinnung ist an beiden Brunnen gleich. Die Gegebenheiten zeigen, dass sie "...nicht nur in dem klaren, strengen Maempfinden mittelalterlicher Dombauhtten, sondern auch aus dem Hochgefhl eines fest fundierten religisen Lebens heraus geschaffen worden" 59) sind.

Am "Schnen Brunnen" wird das Wasser nicht zum Schmuckmittel gemacht. Es steigt nicht im Brunnenstock auf, sondern fllt am Fue des Fialenturmes durch lwenkopfartige Speimasken, denen lange Rhren ins Maul gesteckt sind, in das steinerne Becken. Auch vom Beckenrand speien froschhnliche Tiere das Wasser in das Becken. Dadurch war dem Meister Heinrich Beheim d. . der den Brunnen von 1386 bis 1396 erbaute, 60) die Mglichkeit gegeben, den Stock ohne Rcksicht auf die Wasserfhrung nach streng architektonischen Gesetzen zu bauen. Mit der Wahl der Dreischalenform war dem Braunschweiger Meister schon eine feste Linie vorgeschrieben, die einen bergroen Fialenaufbau nicht gestattete.

Whrend in Braunschweig der Brunnen immer freistand, wurde der "Schne Brunnen" 1537 mit einem kunstvoll geschmiedeten Eisengitter versehen, um das Wasserbecken vor Verunreinigung zu schtzen. Vier durch das Gitter herausragende Lffelrinnen ermglichten die Wasserentnahme. Am Brunnen auf dem Altstadtmarkt befanden sich zu dieser Zeit noch bewegliche Trge, die leichter gereinigt werden konnten als ein massives Steinbecken. Auch heute noch schtzt das Gitter den "Schnen Brunnen" vor Verschmutzung und strt ein wenig die Gesamtwirkung des Brunnens.

 

C. Der Brunnen in der heutigen Zeit

Seit der Erfindung der Wasserkunst 61) ging die praktische Bedeutung der Brunnen allmhlich immer weiter zurck. Der Wasserbedarf der stndig wachsenden Stadt konnte von den Brunnen allein nicht mehr gedeckt werden, so dass nach anderen Versorgungsarten verlangt wurde. Im 19. und 20. Jahrhundert hat die zentrale Wasserleitung den Brunnen der Stadt ihre Aufgabe abgenommen. Auch werden die Brunnen nicht mehr von der ursprnglichen Quelle versorgt. Die Mehrzahl der Laufbrunnen erhlt das Wasser aus der Versorgungsleitung der Stadt. Die Kunstbrunnen der vergangenen Jahrhunderte werden gepflegt und gehtet als sichtbare Zeichen einer kunstreichen Geschichte.

Es gibt heute zwei verschiedene Arten von Brunnen. Der Brunnen, der vom Wasserbauingenieur gebaut wird, dient ausschlielich der Wasserversorgung, und der Brunnen des Knstlers wird zur Zierde der Stadt geschaffen. Der Brunnen des Ingenieurs versorgt den des Knstlers, der das Wasser zum Schmuckmittel gestaltet.

Whrend an vielen alten Brunnen die Bildhauerarbeit als Krnung hinzutritt, ist heute die knstlerische Gestaltung das Bestimmende fr ihn. Kaum ein Brunnen wird geschaffen, der keine Schmuckwirkung in sich birgt. Er wird geschaffen zur Verschnerung von Straen und Pltzen.

In Parkanlagen hat sich noch eine andere Art von Brunnen durchgesetzt. In diesen meist groen Anlagen wird das Wasser als Masse zum Schmuckmittel gemacht. In diesen Wasserspielen springt das Wasser in vielen starken und feinen Strahlen hervor. Aus den Rundungen der Strahlen entsteht eine bewegte, gestaltete Form. Um den Wasserverbrauch mglichst niedrig zu halten, saugt eine Pumpe das Wasser aus dem Sammelbecken ab und presst es erneut in das Rohrsystem, so dass sich das Wasser stndig im Kreislauf befindet.

Aus dem reinen Zweckbrunnen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der kunstvolle Schmuckbrunnen. Die Verzierungen wandelten sich von den ideellen und volkstmlichen Formen zu den "natrlichen" Formen, wie Strahl und Vorhang.

Auch der Brunnen auf dem Altstadtmarkt schmckt "nur" noch den Platz, der einst der bedeutendste Markt der Stadt gewesen ist.


Verzeichnis der Funoten

1) Der Hanse waren 1370 schon 64 Stdte beigetreten. 44 Stdte waren der Hanse zugewandt, jedoch noch nicht frmlich in den Bund aufgenommen. Eine dritte Gruppe trieb zwar Handel mit den Kaufleuten der Hanse, hatte jedoch nicht die Absicht, dem Bund beizutreten. Hierzu gehrten die Stdte Frankreichs, Englands und Skandinaviens.

Geografisch gliederte sich die Hanse in vier Quartiere mit je einer Hauptstadt. Lbeck war Hauptstadt der ganzen Hanse.

Erstes Quartier: Wendisches Quartier mit den Stdten Lbeck als Quartierstadt, Kiel, Golnow, Wismar, Rostock, Stralsund, Hamburg, Bremen, Lneburg, Stettin, Neustagard, Wisby.

Zweites Quartier: Stdte in Niederlande, Westfalen und am Rhein. Dazu gehrten u. a. Kln, Daventer, Venlo Amsterdam, Utrecht, Emden, Dortmund, Duisburg, Mnster, Bielefeld, Hamm.

Drittes Quartier: schsische und mrkische Stdte, u. a. gehrten dazu: Braunschweig, Magdeburg, Halle, Goslar, Gttingen, Hannover, Erfurt, Breslau, Stendal, Brandenburg, Berlin, Frankfurt a. 0.

Viertes Quartier: preuische, livlndische und einige russische Stdte, u. a.: Danzig, Thorn, Eibingen, Knigsberg, Riga, Reval. (Vergleiche Fischer, a. a. 0., S. 122 ff)

2) Gewisse Stdte besaen schon frh das Privileg, dass Handelswaren, die durch die Stadt gefahren wurden, in der betreffenden Stadt angeboten und verkauft werden mussten. Spter wandelte sich das Recht, so dass die fremden Waren erst den Brgern der Stadt zum Kauf angeboten werden mussten, bevor sie an andere Hndler weiterverkauft werden konnten. Oft kam fr den Fremden noch hinzu, dass er seine Waren nur unter Aufsicht eines Einheimischen verkaufen konnte. Die Stadt Braunschweig hatte damals auch ein Recht, dass keine Straen um die Stadt herum fhren durften. Fr den Kaufmann bedeutete dies praktisch ein Straenzwang.

3) In lterer Literatur wurde von Braunschweig als "Stadt der fnf Stdte" gesprochen. Um 1250 bestand Braunschweig aus fnf Stadtteilen: Altstadt, Hagen, Neustadt, Altewyk und Sack. Jedes "Weichbild" hatte seinen eigenen Rat mit Verwaltung und Kasse. 1269 konnten sich die ltesten Stadtteile Altstadt, Hagen und Neustadt zusammenschlieen und einen Gemeinen Rat bilden. Seit 1345 hatten auch die Stadtteile Altewyk und Sack ihre Vertreter im Gemeinen Rat. Trotz der gemeinsamen Verwaltung und Kasse blieben in den Stadtteilen noch lange der Rat und die Sonderfinanzverwaltung bestehen.

4) Die Mnzrechte seiner Brder Ernst und Ott blieben noch im Besitz der Frsten. Erst 1400 wurden die restlichen Mnzrechte von den Frsten an den Gemeinen Rat der Stadt verpfndet, die vertraglich im Jahre 1412 in das Eigentum der Stadt bergingen. (Nach Bode, a. a. O., S. 54 ff)

5) Heinrich Mack, Die Finanzverwaltung der Stadt Braunschweig vor 1374. Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechtsgeschichte von Gierke, XXXII, 1889, S. 111 zitiert bei Fahlbusch a. a. 0., S. 2

6) Haenselmann, Chronik der Stadt Braunschweig, Bd 1, S 406,
zitiert bei Fahlbusch, a. a. 0., S. 11.

7) vergl. Anmerkung 3, Seite 8.

8) Venturini, a. a. 0, Bd. 2, S. 379

9) Heinz Gries, in Kump, a. a. 0., S. 48

10) Die "faule Mette" oder "Metze" war das grte Geschtz, das die Artillerie Braunschweigs je besessen hat. Es wog etwa 170 Zentner, zum Abfeuern der 7 bis 8 Zentner schweren Kugel wurden 28 kg Pulver bentigt. Die Kugel, meistens aus Stein, flog etwa 2 bis 3 km weit. Da das Geschtz jedoch auf Bohlen und nicht auf Rdern montiert war, konnte es nur schwer transportiert werden. Es wurde nur sehr selten abgeschossen und fast jeder Schuss ist von den Chronisten ausfhrlich notiert worden. 1786 wurde das Geschtz zersgt und das Metall zu kleineren Kanonen verarbeitet.

11) Kump, a. a. 0., S. 31 f., ohne Quellenangabe

12) Kump, a. a. 0., S. 32

13) Kump, a. a. O., S. 32

14) Sack, a. a. 0., S. 22

15) Gries, in Kump, a. a. O., S. 50

16) nach Sack, a. a. 0., S. 12

17) nach Sack, a. a. O., S. 13

18) nach Sack, a. a. 0., S. 13 ff.

19) nach Fahlbusch, a. a. 0., S. 96 ff.

20) Der Brunnen wurde 1951 aus der Mitte des Marktes wieder versetzt und an der Stelle errichtet, wo er von 1408 bis 1847 gestanden hat.

21) a) Fahlbusch, a. a. 0., S. 148

b) In dieser Zeit wurde die Pfund-Whrung und die Mark-Whrung gleichzeitig benutzt. Ein Pfund (Silber) unterteilte sich in 20 Schillinge oder Solidi; ein Schilling, auch Groschen genannt, in 12 Pfennige. Eine Mark unterteilte sich in 4 Ferding = 16 Lot = 64 Quentin. Bei Umrechnungen galt ein Pfund = 240 Pfennige, eine Mark = 360 Pfennige. Die Pfund-Whrung wurde ausgewogen, die Mark-Whrung ausgezhlt. Der Einfachheit halber wurden die Betrge auf Pfennige umgerechnet, wenn Unterteilungen des Pfundes oder der Mark in den Quellen angegeben wurden.

c) Ein Zentner hatte nach Drre 114 Pfund oder 53,271 kg. (Fahlbusch a. a. 0., S. 149, Anm. 1)

22) Fahlbusch, a. a. 0., S. 148, Anm. 2

23) Der heutige Brunnen wiegt etwa 11 t. Bei den 25O Zentnern wurde die Abfallmenge mitgerechnet, die beim Gu und Nacharbeiten der vielen Einzelteile grer ist als bei den drei Becken.

24) nach Fahlbusch a. a. 0., S. 96 und Ebeling, a. a. 0., S. 239

25) nach Sack, a. a. O. Die Gdebrunnen und Wasserleitung zu Braunschweig

26) Westermann-Plan von Braunschweig, Braunschweig, 1963

27) Schiller, a. a. 0., S. 172

28) Sack, a. a. O., S. 25

29) Kump, a. a. O., S. 13 f

30) Kump, Professor Werner, geb. 1896 in Kln.
Humanist, Ingenieur, seit 1930 Metallbildhauer. Arbeitsgebiet: freie und angewandte profane und sakrale Kunst, Industrieberatung und industrielle Formgebung.

1930 bis 1941 freischaffender Knstler in Chemnitz und Sachsen. 1941 zur Durchfhrung knstlerischer Aufgaben der Stadt nach Braunschweig berufen. 1945 Reservator des Landes Braunschweig, Restaurierung des Braunschweiger Lwen. 1945 Restaurator der Stadt Braunschweig, Restaurierung des Brunnens. 1949 als knstlerischer Leiter einer Klasse fr Metallgestaltung nach Wiesbaden berufen, seit 1961 wieder freischaffend in Wiesbaden. 1986 im Alter von 93 Jahren gestorben.

31) Kump a. a. O., S. 22

32) Kump, a. a. O., S. 30

33) Kump, a. a. O., S. 30

34) Gderitz bei Kump, a. a. 0., S. 53. Vergl. Abb. 4

35) zitiert bei Volkmann, a. a. 0., S. 65

36) Hoffmann, 10., a. a. O., S. 8 f

37) Kump, a. a. 0., S. 12 f

38) Eine Zusammenstellung der Kapitelberschriften und Verse, aus denen die Sprche entnommen wurden, befindet sich im Anhang.

39) Vergl. Abb. 7-14 im Anhang

40) g = geistlich, Erzbistum

41) w = weltlich, Knigreich, Herzogtum

42) Hoffmann, 10. a. a. 0., S. 263 f

43) Woermann, 22, a. a. 0., S. 523

44) Karlinger, a. a. O., S. 57
45) Karlinger, a. a. O., S. 100

46) Schmitt, a. a. 0., S. 1278 ff

47) Hofmann, 10 a. a. O., S. 237

48) Hofmann, S.89

49) desgl. S. 85

50) Von diesem Brunnen gibt es keine Abbildung. Nach Sack (a. a. 0. S. 25 f) stand der Brunnen dort, wo heute der Steinbrunnen steht. Er bestand aus zwei Becken, von denen das untere aus Stein, das zweite aus Bronze war. An dem Metallbecken befanden sich sechs Wappen und zwei Bilder. Die Wappen der Stadt und der Frsten von Braunschweig und Lneburg waren noch zu erkennen. Auer den drei weiteren Wappen war ein Bild unkenntlich. Auf dem zweiten Bild war die heilige Katharina mit der ihr geweihten Kirche am Hagenmarkt dargestellt. Auerdem befand sich ihr Abbild noch einmal in einer Laterne an der Spitze des Brunnens. An der Brunnenspitze war ebenfalls eine Windfahne mit dem Stadtwappen befestigt. Einer Inschrift nach wurde der Brunnen 1570 vergoldet. Im Mrz 1814 wurde das 70 Zentner schwere Becken eingeschmolzen. Das Material wurde zur Herstellung von Kanonen verbraucht.

51) Wimperge sind diejenigen Giebel gotischer Bauwerke, welche ber Tr- oder Fensterffnungen angebracht, von zwei Fialen (Spitztrmchen) flankiert, an den Giebelseiten mit Krabben (Kriechbltter) besetzt, in den Giebelfeldern glatt oder mit Mawerk versehen und an der Spitze mit einer Kreuzblume oder Statue geschmckt sind.

52) Abb. 2. Die Zeichnung zeigt beim Vergleichen mit Fotografien, die nach dem ersten Weltkrieg aufgenommen wurden, keine Unterschiede.

53) Drach, a. a. 0. S. 6

54) Drach, a. a. O. S. 6

55) Kump, a. a. 0. 25

57) nach Kump a. a. 0. S. 26

58) Re, a. a. 0. S. 55

59) Kump, a. a. O. S. 15

60) nach Kump, a. a. 0. S. 12

61) Die Wasserkunst entstand im 16. Jahrhundert und ist ein Pumpwerk, das nach dem Prinzip einer Druckpumpe arbeitet. Die Flssigkeit wird ber ein Saugventil durch den Kolben angesaugt und tritt bei dessen Rckgang durch ein Druckventil in die Druckleitung. Die Wasserkunst wurde durch ein Wasserrad getrieben und drckte das Wasser in hoch liegende Bottiche, von wo es mit natrlichem Gefalle durch die Leitungen zu den einzelnen Zapfstellen floss.


Verzeichnis der Funoten

1) Der Hanse waren 1370 schon 64 Stdte beigetreten. 44 Stdte waren der Hanse zugewandt, jedoch noch nicht frmlich in den Bund aufgenommen. Eine dritte Gruppe trieb zwar Handel mit den Kaufleuten der Hanse, hatte jedoch nicht die Absicht, dem Bund beizutreten. Hierzu gehrten die Stdte Frankreichs, Englands und Skandinaviens.

Geografisch gliederte sich die Hanse in vier Quartiere mit je einer Hauptstadt. Lbeck war Hauptstadt der ganzen Hanse.

Erstes Quartier: Wendisches Quartier mit den Stdten Lbeck als Quartierstadt, Kiel, Golnow, Wismar, Rostock, Stralsund, Hamburg, Bremen, Lneburg, Stettin, Neustagard, Wisby.

Zweites Quartier: Stdte in Niederlande, Westfalen und am Rhein. Dazu gehrten u. a. Kln, Daventer, Venlo Amsterdam, Utrecht, Emden, Dortmund, Duisburg, Mnster, Bielefeld, Hamm.

Drittes Quartier: schsische und mrkische Stdte, u. a. gehrten dazu: Braunschweig, Magdeburg, Halle, Goslar, Gttingen, Hannover, Erfurt, Breslau, Stendal, Brandenburg, Berlin, Frankfurt a. 0.

Viertes Quartier: preuische, livlndische und einige russische Stdte, u. a.: Danzig, Thorn, Eibingen, Knigsberg, Riga, Reval. (Vergleiche Fischer, a. a. 0., S. 122 ff)

2) Gewisse Stdte besaen schon frh das Privileg, dass Handelswaren, die durch die Stadt gefahren wurden, in der betreffenden Stadt angeboten und verkauft werden mussten. Spter wandelte sich das Recht, so dass die fremden Waren erst den Brgern der Stadt zum Kauf angeboten werden mussten, bevor sie an andere Hndler weiterverkauft werden konnten. Oft kam fr den Fremden noch hinzu, dass er seine Waren nur unter Aufsicht eines Einheimischen verkaufen konnte. Die Stadt Braunschweig hatte damals auch ein Recht, dass keine Straen um die Stadt herum fhren durften. Fr den Kaufmann bedeutete dies praktisch ein Straenzwang.

3) In lterer Literatur wurde von Braunschweig als "Stadt der fnf Stdte" gesprochen. Um 1250 bestand Braunschweig aus fnf Stadtteilen: Altstadt, Hagen, Neustadt, Altewyk und Sack. Jedes "Weichbild" hatte seinen eigenen Rat mit Verwaltung und Kasse. 1269 konnten sich die ltesten Stadtteile Altstadt, Hagen und Neustadt zusammenschlieen und einen Gemeinen Rat bilden. Seit 1345 hatten auch die Stadtteile Altewyk und Sack ihre Vertreter im Gemeinen Rat. Trotz der gemeinsamen Verwaltung und Kasse blieben in den Stadtteilen noch lange der Rat und die Sonderfinanzverwaltung bestehen.

4) Die Mnzrechte seiner Brder Ernst und Ott blieben noch im Besitz der Frsten. Erst 1400 wurden die restlichen Mnzrechte von den Frsten an den Gemeinen Rat der Stadt verpfndet, die vertraglich im Jahre 1412 in das Eigentum der Stadt bergingen. (Nach Bode, a. a. O., S. 54 ff)

5) Heinrich Mack, Die Finanzverwaltung der Stadt Braunschweig vor 1374. Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechtsgeschichte von Gierke, XXXII, 1889, S. 111 zitiert bei Fahlbusch a. a. 0., S. 2

6) Haenselmann, Chronik der Stadt Braunschweig, Bd 1, S zitiert bei Fahlbusch, a. a. 0., S. 40611.

7) vergl. Anmerkung 3, Seite 8.

8) Venturini, a. a. 0, Bd. 2, S. 379

9) Heinz Gries, in Kump, a. a. 0., S. 48

10) Die "faule Mette" oder "Metze" war das grte Geschtz, das die Artillerie Braunschweigs je besessen hat. Es wog etwa 170 Zentner, zum Abfeuern der 7 bis 8 Zentner schweren Kugel wurden 28 kg Pulver bentigt. Die Kugel, meistens aus Stein, flog etwa 2 bis 3 km weit. Da das Geschtz jedoch auf Bohlen und nicht auf Rdern montiert war, konnte es nur schwer transportiert werden. Es wurde nur sehr selten abgeschossen und fast jeder Schuss ist von den Chronisten ausfhrlich notiert worden. 1786 wurde das Geschtz zersgt und das Metall zu kleineren Kanonen verarbeitet.

11) Kump, a. a. 0., S. 31 f., ohne Quellenangabe

12) Kump, a. a. 0., S. 32

13) Kump, a. a. O., S. 32

14) Sack, a. a. 0., S. 22

15) Gries, in Kump, a. a. O., S. 50

16) nach Sack, a. a. 0., S. 12

17) nach Sack, a. a. O., S. 13

18) nach Sack, a. a. 0., S. 13 ff.

19) nach Fahlbusch, a. a. 0., S. 96 ff.

20) Der Brunnen wurde 1951 aus der Mitte des Marktes wieder versetzt und an der Stelle errichtet, wo er von 1408 bis 1847 gestanden hat.

21) a) Fahlbusch, a. a. 0., S. 148

b) In dieser Zeit wurde die Pfund-Whrung und die Mark-Whrung gleichzeitig benutzt. Ein Pfund (Silber) unterteilte sich in 20 Schillinge oder Solidi; ein Schilling, auch Groschen genannt, in 12 Pfennige. Eine Mark unterteilte sich in 4 Ferding = 16 Lot = 64 Quentin. Bei Umrechnungen galt ein Pfund = 240 Pfennige, eine Mark = 360 Pfennige. Die Pfund-Whrung wurde ausgewogen, die Mark-Whrung ausgezhlt. Der Einfachheit halber wurden die Betrge auf Pfennige umgerechnet, wenn Unterteilungen des Pfundes oder der Mark in den Quellen angegeben wurden.

c) Ein Zentner hatte nach Drre 114 Pfund oder 53,271 kg. (Fahlbusch a. a. 0., S. 149, Anm. 1)

22) Fahlbusch, a. a. 0., S. 148, Anm. 2

23) Der heutige Brunnen wiegt etwa 11 t. Bei den 25O Zentnern wurde die Abfallmenge mitgerechnet, die beim Gu und Nacharbeiten der vielen Einzelteile grer ist als bei den drei Becken.

24) nach Fahlbusch a. a. 0., S. 96 und Ebeling, a. a. 0., S. 239

25) nach Sack, a. a. O. Die Gdebrunnen und Wasserleitung zu Braunschweig

26) Westermann-Plan von Braunschweig, Braunschweig, 1963

27) Schiller, a. a. 0., S. 172

28) Sack, a. a. O., S. 25

29) Kump, a. a. O., S. 13 f

30) Kump, Professor Werner, geb. 1896 in Kln.
Humanist, Ingenieur, seit 1930 Metallbildhauer. Arbeitsgebiet: freie und angewandte profane und sakrale Kunst, Industrieberatung und industrielle Formgebung.

1930 bis 1941 freischaffender Knstler in Chemnitz und Sachsen. 1941 zur Durchfhrung knstlerischer Aufgaben der Stadt nach Braunschweig berufen. 1945 Reservator des Landes Braunschweig, Restaurierung des Braunschweiger Lwen. 1945 Restaurator der Stadt Braunschweig, Restaurierung des Brunnens. 1949 als knstlerischer Leiter einer Klasse fr Metallgestaltung nach Wiesbaden berufen, seit 1961 wieder freischaffend in Wiesbaden. 1986 im Alter von 93 Jahren gestorben.

31) Kump a. a. O., S. 22

32) Kump, a. a. O., S. 30

33) Kump, a. a. O., S. 30

34) Gderitz bei Kump, a. a. 0., S. 53. Vergl. Abb. 4

35) zitiert bei Volkmann, a. a. 0., S. 65

36) Hoffmann, 10., a. a. O., S. 8 f

37) Kump, a. a. 0., S. 12 f

38) Eine Zusammenstellung der Kapitelberschriften und Verse, aus denen die Sprche entnommen wurden, befindet sich im Anhang.

39) Vergl. Abb. 7-14 im Anhang

40) g = geistlich, Erzbistum

41) w = weltlich, Knigreich, Herzogtum

42) Hoffmann, 10. a. a. 0., S. 263 f

43) Woermann, 22, a. a. 0., S. 523

44) Karlinger, a. a. O., S. 57
45) Karlinger, a. a. O., S. 100

46) Schmitt, a. a. 0., S. 1278 ff

47) Hofmann, 10 a. a. O., S. 237

48) Hofmann, S.89

49) desgl. S. 85

50) Von diesem Brunnen gibt es keine Abbildung. Nach Sack (a. a. 0. S. 25 f) stand der Brunnen dort, wo heute der Steinbrunnen steht. Er bestand aus zwei Becken, von denen das untere aus Stein, das zweite aus Bronze war. An dem Metallbecken befanden sich sechs Wappen und zwei Bilder. Die Wappen der Stadt und der Frsten von Braunschweig und Lneburg waren noch zu erkennen. Auer den drei weiteren Wappen war ein Bild unkenntlich. Auf dem zweiten Bild war die heilige Katharina mit der ihr geweihten Kirche am Hagenmarkt dargestellt. Auerdem befand sich ihr Abbild noch einmal in einer Laterne an der Spitze des Brunnens. An der Brunnenspitze war ebenfalls eine Windfahne mit dem Stadtwappen befestigt. Einer Inschrift nach wurde der Brunnen 1570 vergoldet. Im Mrz 1814 wurde das 70 Zentner schwere Becken eingeschmolzen. Das Material wurde zur Herstellung von Kanonen verbraucht.

51) Wimperge sind diejenigen Giebel gotischer Bauwerke, welche ber Tr- oder Fensterffnungen angebracht, von zwei Fialen (Spitztrmchen) flankiert, an den Giebelseiten mit Krabben (Kriechbltter) besetzt, in den Giebelfeldern glatt oder mit Mawerk versehen und an der Spitze mit einer Kreuzblume oder Statue geschmckt sind.

52) Abb. 2. Die Zeichnung zeigt beim Vergleichen mit Fotografien, die nach dem ersten Weltkrieg aufgenommen wurden, keine Unterschiede.

53) Drach, a. a. 0. S. 6

54) Drach, a. a. O. S. 6

55) Kump, a. a. 0. 25

57) nach Kump a. a. 0. S. 26

58) Re, a. a. 0. S. 55

59) Kump, a. a. O. S. 15

60) nach Kump, a. a. 0. S. 12

61) Die Wasserkunst entstand im 16. Jahrhundert und ist ein Pumpwerk, das nach dem Prinzip einer Druckpumpe arbeitet. Die Flssigkeit wird ber ein Saugventil durch den Kolben angesaugt und tritt bei dessen Rckgang durch ein Druckventil in die Druckleitung. Die Wasserkunst wurde durch ein Wasserrad getrieben und drckte das Wasser in hoch liegende Bottiche, von wo es mit natrlichem Gefalle durch die Leitungen zu den einzelnen Zapfstellen floss.


Literaturverzeichnis

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Geschichte der Kunst aller Zeiten und Vlker, 2. Auflage, Band 3, Die Kunst der christlichen Frhzeit und des Mittelalters, Leipzig, 1924

Woermann, Karl

desgl., Band 4, Die Kunst der lteren Neuzeit von 1400 bis 155O, Leipzig, 1924

 

 

Abbildungsnachweis

Abb. 1

Aus Sack, a.a.o., Tafel II

Abb. 2

Aus Heubach, a.a.o., Tafel I

Abb. 3

Aus Kump, a.a.o., Seite 27

Abb. 4 bis 14

Originale des Verfassers

Abb. 15 bis 20

Nach Fotografien von Kump, unverffentlicht, aus der Akte Brunnen des Hochbauamtes der Stadt Braunschweig

Abb. 21 bis 25

Originale des Verfassers

Abb. 26 bis 50

Nach Zeichnungen von Kump, unverffentlicht, Hochbauamt der Stadt Braunschweig

Abb. 51 bis 54

Nach Drach, a.a.o., Tafel I bis III

Abb. 55 bis 56

Nach Kump, a.a.o., Seiten 23 und 25

Zeichnungen 1 bis 4 im Text der Arbeit

Nach Kump, a.a.o., Seite 26ff.

 


Anhang

Kapitelberschriften der Heiligen Schrift und Verse, aus denen die Sprche auf den Bndern der Figuren 1 bis 19 entnommen sind: 1)

1) Isaias, Jesaja 35, 6

(Kap. 35) Zeitliche und ewige Freuden der Kirche Christi.

(V. 6) Alsdann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch und der Stummen Zunge wird Lob sagen. Denn es werden Wasser hin und wieder flieen, und Strme in den Gefilden.

(V. 7) Und wo es zuvor trocken ist gewesen, werden Teiche stehen, und wo es drre gewesen ist, sollen Brunnenquellen sein. Da zuvor die Schlangen gelegen haben, soll Heu, und Rohr und Schilf stehen:

2) Obdias. Joel 3, 23

(Kap. 3) Weissagung von der wunderbaren Ausgieung des heiligen Geistes; von der Beschtzung der Kirche Gottes wider ihre Feinde, von dem jngsten Tage, und von der ewigen Freude und Herrlichkeit der Auserwhlten.

(V. 23) Zur selben Zeit werden die Berge mit sem Wein triefen, und die Hgel mit Milch flieen, und alle Bche in Juda werden voll Wasser gehen; und es wird eine Quelle vom Hause des Herrn heraus gehen, die wird den Strom Sittim wssern.

3) Samuel 1. Samuel 7, 12.

(Kap. 7) Die Lade des Herrn wird nach Kiriath-Jearim gebracht. Samuel richtet Israel, die Philister werden gedmpft.

(V 12) Da nahm Samuel einen Stein und setzte ihn zwischen Mizpa und Sen, und hie ihn Eben-Ezer und sprach: Bis hierher hat uns der Herr geholfen.

4) Ezechiel. Hesekiel 47, 1

(Kap. 47) Der Ursprung und die Nutzbarkeit des Wassers, so aus dem Tempel geflossen, wird beschrieben; die Grenzen des heiligen Landes festgesetzt und eine gleiche Austheilung geboten.

(V. 1) Und er fhrte mich wieder zu der Thr des Tempels. Und siehe, da flo ein Wasser heraus unter der Schwelle des Tempels gegen Morgen; denn die Thr des Tempels war auch gegen Morgen. Und das Wasser lief an der rechten Seite des Tempels neben dem Altar hin gegen Mittag.

(V. 9) Ja Alles, was darinnen lebt und webt, dahin diese Strme kommen, das soll leben und soll sehr viele Fische haben; und soll Alles gesund werden und leben wo dieser Strom hinkommt.

5) Unbestimmbar

6) Elrzeus. Elyseus 2. Knige 2, 21

(Kap. 2) Ella wird im Wetter gen Himmel genommen; Elisa zerteilt den Jordan, macht bse Wasser gesund und flucht den spottenden Knaben zu Beth-El.

(V. 21) So spricht der Herr: Ich habe die Wasser gesund gemacht; es soll hinfort kein Tod noch Unfruchtbarkeit daherkommen.

7) Johel. Joel l, 20

(Kap. 1) Der Prophet stellt dem Volke Gottes den jmmerlichen Zustand des Landes unter Augen, er ermahnt die Priester, die Gemeinde zu versammeln, ein Fasten zu heiligen und mit bufertigem Herzen den Herrn um Hlfe (sie) anzurufen.

(V. 20) Es schreien auch die wilden Tiere zu dir, denn die Wasserbche sind ausgetrocknet, und das Feuer hat die Auen in der Wste verbrannt.

8) Jeremias. Jeremia 9, 1

(Kap. 9) Jeremias schmerzliche Klage ber die Snde des Volkes nebst Drohung eines schrecklichen Unterganges desselben.

(V. 1) Ach, da ich genug Wasser htte in meinem Haupte, und meine Augen Trnenquellen wren, da ich Tag und Nacht beweinen mchte die Erschlagenen in meinem Volke.

9) bis 13) Die Figuren waren zerstrt; unbestimmbar.

14) Osea. Hosea 13, 15

(Kap. 13) Klage Gottes ber die anhaltende Abgtterei der Israeliten, nebst Ankndigung der gttlichen Strafgerichte, und verheienem Trost, da Christus sie aus der Hlle erlsen und sie vom Tode erretten wolle.

(V. 15) Denn er (der Trost) wird zwischen Brdern Frucht bringen. Es wird ein Ostwind kommen; der Herr wird aus der Wste herauf fahren und ihren (Israeliten) Brunnen austrockenen und ihre Quellen versiegen; und wird rauben den Schatz alles kstlichen Gerthes.

15) rex Salomon. Prediger 1, 7.

(Kap. 1) Salomo lehrt: Es ist Alles ganz eitel, selbst Weisheit dieser Welt.

(V. 7) Alle Wasser laufen in das Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, da sie herflieen, flieen sie wieder hin.

16) Naum. Nahuin 1, 4.

(Kap. 1) Beschreibung der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Allmacht Gottes, nebst Drohung harter Strafe wider die Niniveter, zum Trost des Volkes Gottes.

(V. 4) (Es ist der Herr...) Der das Meer schilt und trocken macht und alle Wasser vertrocknet. Basan und Karmel verschmachten, und was auf dem Berge Libanon blht, verschmachtet.

17) Moses. 2. Moses 15, 27.

(Kap. 15) Moses Lobgesang; Israels Reise in die Wste Sur (bitteres Wasser), Ankunft in Elim.

(V. 27) Und die kamen in Elim (an), da waren 12 Wasserbrunnen und siebenzig Palmenbume, und lagerten sich daselbst an's Wasser.

18) Abacuc. Habakuk 4, 15.

(Kap. 4) Habakuk bittet Gott, er wolle sein gefangenes Volk durch seine Barmherzigkeit erlsen; gleich wie er solches durch seine Allmacht schon vielfltig erwiesen habe; er fgt eine besondere Bitte an den Knig zu Babel bei, und trstet sich der mchtigen Hlfe Gottes.

(V. 15) Deine Pferde gehen im Meer, im Schlamm groer Wasser.

19) David. Psalm 46, 5.

(Kap. 46) Die Kirche trotzt auf den mchtigen Schutz Gottes, welche der Herr zur geduldigen Erwartung seiner Hlfe ermahnt.

(V. 5) Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihrem Brnnlein, da sie heilige Wohnungen des Hchsten sind.

1) Quelle: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der deutschen bersetzung Dr. Martin Luthers, Hamburg, o. J.


Lexikon der am Brunnen erscheinenden Personen (nach Brockhaus)

Abacuc (Habakuk), einer der zwlf kleinen Propheten im A. T. Das Buch Habakuk wird entweder vor 612 v. Chr. oder in der Zeit Alexander d. Gr. angesetzt. lteste Auslegung von Kapitel l f findet sich bereits unter den Handschriften von Ain Fekskha. Auch das Auftauchen des Habakuk in der Geschichte vom Drachen zu Babel spricht fr seine Bedeutung im Judentum der Makkaberzeit.

Alexander der Groe, Sohn Philipps von Mazedonien, geb. 356, gest. 323 v. Chr. Er kam 336 auf den Thron, vernichtete 334 - 330 das persische Groreich, eroberte 332 gypten, wo er Alexandria grndete, drang 327 - 325 nach Indien vor. Alexander versuchte ein einheitliches abendlndisch-morgenlndisches Weltreich zu grnden. Da er keinen erwachsenen Nachfolger hinterlie, zerfiel sein Reich in die Reiche der Diadochen.

Artus, brit. Heerfhrer und Knig um 500, n. Chr., schtzte sein Volk gegen vordringende Sachsen. Heldenhafter, aber unterlegener Verteidiger seiner Heimat, wurde zum glnzenden Vorbild tapferen Rittertums. Der Sage nach in einer Schlacht gegen seinen Neffen verwundet, von Feen im Wunderreich Avalon gepflegt, nicht gestorben sondern entrckt, er werde wiederkommen und sein Volk und Reich zu neuem Ruhm und Macht bringen. Zur Tafelrunde Arturs gehren nach Golfreds Darstellung tapfere Ritter aus verschiedenen Jahrhunderten, deren Taten die Sage mit Artus in Verbindung bringt.

Csar, Gajus Julius, 100 - 44 v. Chr., rmischer Feldherr, gebildeter Redner und Schriftsteller, bildete 60 v. Chr. das 1. und 56 v. Chr. das 2. Triumvirat. Eroberte Gallien und Italien, folgte 48 v. Chr. dem fliehenden Pompejus nach gypten, war bis 47 v. Chr. Geliebter der Kleopatra. Unumschrnkter Herrscher in Rom, konnte Mitkonsul und Senat ausschalten. 46 v. Chr. Neuordnung der Rechtsstellung der Gemeinden Italiens und Kalenderreform (Julianischer Kalender). Am 15.3.44 v. Chr. im Senat von Brutus und anderen erstochen. Cicero, politischer Gegner Csars, schrieb an einen Freund, das sei das gerechte Ende eines Tyrannen gewesen. Deshalb bezeichnet man diesen Mord auch als Tyrannenmord.

David, zweiter Knig von Israel, 1011 - 972 v. Chr., bewhrte sich in den Philisterkmpfen. Verfolgt vom eiferschtigen Knig Saul, musste er zu den Philistern gehen. Nach Sauls und Jonathans Tod salbte ihn der Stamm Juda zum Knig in Hebron, whrend die ostjordanischen Stmme dem jngeren Sohn Sauls treu blieben. Nach dessen Ermordung vereinigte David die beiden Reiche Israel und Juda in Personalunion. berfhrte die Bundeslade (die Gottesgegenwart darstellt) nach Jerusalem. Bei Lebzeiten an ihn knpfende Hoffnungen haben die Israelische Religion bis in das Neue Testament stark beeinflusst. Schwche gegenber seinen Kindern brachte Unglck ber ihn. Frh gealtert, lie er Sohn Salomo unter Umgehung des lteren Sohnes Adonia zum Knig ausrufen. Auf Grund seiner Leichenlieder auf Saul und Abnea schreibt man ihm die Mehrzahl der Psalmen zu. Trotz Fehler Davids stellte seine Herrschaft ein goldenes Zeitalter Israels dar.

Elias, Prophet, Fhrer gegen Ahab, Isebel und Tybischen Baal fr das alte und soziale Recht und die Alleinverehrung des Jahwe (Gott). Man bertrug auf ihn allerlei Legendenmotive (z. B. ihn speisende Raben), erzhlte von seiner Entrckung im Feuerwagen und erwartete seine Wiederkehr als Vorlufer des Messias.

Elisias (Elisa), Israelit. Bauernsohn, den Elias vom Acker weg zum Prophetenamt rief. Legenden berichten von ihm Wunder und politisches Wirken, vor allem die Anzettelung der Revolution des Rehu.

Ezechiel (in der Vulgata und bei Luther Hesekiel). Der letzte der so genannten Groen Propheten, Sohn des Priesters Busi, wurde 597 v. Chr. mit Knig Jojachin nach Babylon deportiert, wahrscheinlich erst dort zum Propheten berufen. Wirkte in Babylon von 593 - 571 v. Chr. Um der religisen Verworfenheit Jerusalems willen betont er die Notwendigkeit des Zusammenbruchs des Staates. Erst dann wre die Bahn frei fr Gericht ber Nachbarvlker und Wiederherstellung Israels mit Neuordnung seines Tempelkults.

Gottfried von Bouillon, geb. 1060 n. Chr., gest. am 18.7.1100 in Jerusalem. Seit 1076 Herzog von Niederlothringen, nahm fhrend am 1. Kreuzzug teil. In Konstantinopel verhandelte er mit Kaiser Alexios I. Bei Erstrmung Jerusalems griff er entscheidend mit ein. Die Krone von Jerusalem lehnte er demtig ab und nannte sich "Herzog des Heiligen Grabes". 1099 schlug er den Sultan von gypten bei Askalon.

Hektor, Hauptheld der Trojaner, Sohn des Knigs Priamos, Lieblingsheld der "Ilias", vielleicht in Theben heimisch gewesen, wo sich ein Grab von ihm befand. Gegenspieler des Achill, der ihn aus Rache fr seinen getteten Patraklos (Drache) im Zweikampf ttete. Hektors Leichnam wurde von Achill in die Stadt geschleift und gegen Lsegeld dem Priamos berlassen, der ihn feierlich bestattete.

Jeremias, um 65O v. Chr., innerlichster der alttestamentarischen Propheten, Sohn eines Priesters. Jeremias trat schon als Jngling als Prophet in Anadoth und Jerusalem auf (um 627). Hatte er in seiner Jugend noch zur Bue aufgerufen, so verkndete er, nach schwersten inneren Kmpfen, unter Jorachin die Unmglichkeit der Belehrung des Volkes und die Nutzlosigkeit der von ihm gebten Frbitte. Jeremias war vom unabwendbaren Untergang des Staates und von der Notwendigkeit der Unterwerfung unter Babel berzeugt. Steht damit im Gegensatz zu den anderen Heil verkndenden Propheten. Jeremias wurde gefangen gesetzt und von einem kniglichen Eunuchen befreit. Bekmpfte in gypten vergeblich die Abgtterei der geflchteten Juder; verschollen.

Jesaja, (in der Vulgata Isaias), einer der vier so genannten Groen Propheten des Alten Testaments. 738 berufen, wirkte etwa 701 v. Chr. in Jerusalem. Vor Israelisch-syrischem Angriff auf Jeda verhie er Rettung fr den Fall des unbedingten, auf menschlicher Hilfe und Bndnisse verzichtenden Vertrauens auf Jahwe. Warnte vor Politik der Bndnisse. Da aber auch Assyrien sich der Rolle des gttlichen Strafwerkzeuges unwert gemacht hatte, erwartete er 701 das Scheitern des Angriffs des Sanheribs auf Jerusalem, der auch abgeschlagen wurde.

Joel, einer der so genannten Kleinen Propheten des A. T. Jngster unter den Propheten. In einer groen Drre und schweren Heuschreckenplage sah er die Vorzeichen der letzten Zeit des "Jahwetages" mit allgemeiner Ausgieung des Geistes.

Johannes, Evangelist, Sohn des Zebedus, galilischer Fischer, Bruder Apostel Jakobus und Vetter Jesu. Mit Bruder Petrus war er Glied eines Kreises von Vertrauten innerhalb der Jngerschar, nach dem Tode Jesu einer der drei "Sulenapostel" der Urgemeinde. Nach der schon im 2. Jahrhundert nachweisbaren altchristlichen Tradition hat Johannes spter in Ephesus eine fhrende Stellung eingenommen und Schlerkreise um sich gesammelt. Im hchsten Alter unter Trajan gestorben. Gleiche Tradition schreibt ihm die unter dem Namen Johannes stehenden Schriften des Neuen Testaments zu. Nach katholischer Auffassung ist aus inneren und ueren Kriterien zu schlieen, dass Apostel Johannes der Verfasser des Evangeliums ist und dieses als historischen Bericht geschrieben hat. Die Forschung erkennt an, dass Johannes sein theologisches Geprge dem Evangelium selbst verdankt, und dass dieser in der Schilderung der Taten und Reden Jesu dessen Gttlichkeit nachdrcklich herausheben will. Ob ltere Aufzeichnungen Grundlage des Johannes-Evangeliums bilden, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Durch einen Handschriftenfund mit Bruchstcken des Evangeliums ist festgestellt, dass das Evangelium gegen Ende des 1. Jahrhunderts vorlag.

Josua, Nachfolger des Moses. Das biblische Buch Josua schildert die Landnahme der Israeliten im Westjordanland. Es folgt dabei wahrscheinlich den Quellschriften des Pentateuch, (der jdischen Thora). Das buch hat aber die endgltige Gestalt erst nach dessen Abschluss erhalten und ist nicht in den Kanon der Samaritaner gekommen. Das arabisch-samaritanische Buch Josua schildert die Ereignisse vom Tode Moses bis zur Zeit des rmischen Kaisers Alexander Severus.

Judas von Makkabus. Jdischer Heerfhrer aus dem Geschlecht der Hasmoner, leitete nach dem Tode seines Vaters den Befreiungskampf der Juden gegen den syrischen Knig Antiochus IV. und dessen Nachfolger. Er schlug die syrischen Feldherren in mehreren Schlachten und soll im Begriff gewesen sein, mit den Rmern ein Bndnis abzuschlieen, als ihn ein bermchtiges Heer zu einem neuen Kampf ntigte, in dem er 161 v. Chr. fiel. Bericht ber seine Kriegstaten im ersten Makkaberbuch ist geschichtlich treu, im zweiten Buche ist Sagenhaftes eingemischt.

Katharina von Alexandria, Mrtyrerin im Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr., Patronin der Philosophen; gehrt zu den 14 Nothelfern. Name und Verehrung sind erst durch die viel spter entstandene Legende verbreitet worden. Vielleicht hat man flschlich Katharina mit der von Eusebius ohne Namen erwhnten Bekennerin gleichgesetzt. Katharina besiegte und bekehrte angeblich in ffentlicher, vom Kaiser Maxentius berufener Disputation 50 heidnische Philosophen; sie wurde gerdert und enthauptet, ihr Leib von Engeln zum Berg Sinai gebracht. Gedenktag ist jeweils der 25. November. Sie gehrt im Mittelalter zu den am hufigsten dargestellten weiblichen Heiligen.

Lukas, der Evangelist, heidnischer Herkunft, wohl aus Antiochien, hat Paulus auf seinen letzten Reisen begleitet. Weitere Lebensschicksale sind unbekannt. Die vielen medizinischen Ausdrcke weisen auf rztlichen Beruf. Die sptere Legende hat ihn zum ungenannten Emmausjnger gemacht und als Mrtyrer sterben lassen. Gedenktag ist der 18. Oktober.10. Weil Lukas als Wappen den Stier als Symbol bei sich hatte, konnte er zum Patron der Metzger werden; insbesondere ist er der Patron der rzte. Lukas stellt in seinem Evangelium die ffentliche Ttigkeit Jesu dar; er schrieb fr Heidenchristen, dazu lst er die evangelische Geschichte von den mannigfaltigen Verflechtungen mit dem Judentum. Neue Forschung datiert Lukas-Evangelium um 80 n. Chr.

Markus, der Evangelist, stammt aus einer Jerusalemer Priesterfamilie und trat der Urgemeinde bei. Begleitete Barnabas und Paulus auf der ersten Missionsreise. Paulus weigerte sich spter, ihn wieder mitzunehmen, was zur Trennung von Barnabas und Paulus fhrte. Spter tauchte Markus im petrinischen und auch wieder in paulinischen Kreis auf. Die zuverlssige Papiasberlieferung bezeichnet ihn als Dolmetscher des Petrus und Verfasser des Markus-Evangeliums. Nach der Legende soll er in Alexandria die Kirche gegrndet haben und dort als Mrtyrer gestorben sein. Seine Leiche soll im Mittelalter gewaltsam nach Venedig gebracht worden sein, dessen Schutzheiliger Markus ist. Gedenktag ist der 25. April. Das Evangelium ist das lteste und krzeste. Es spannt das Leben Jesu in einen Jahreszyklus ein. Das Evangelium zeichnet sich aus durch zuverlssige historische Angaben und Przision des Stils. Es ist vor 70 n. Chr. entstanden. Nach altchristlicher berlieferung geht es auf die Lehrvortrge des Petrus zurck.

Matthus, Apostel und Evangelist aus Galila, wo er am See Genezareth Zolleinnehmer war. Matthus, der eigentlich Levi hie, nahm als Jnger den Namen Matthus an. Er verlie Palstina, um Heidenmission zu treiben. In spterer Zeit sind ihm verschiedene Martyrien angedichtet worden. Heiliger, Gedenktag ist der 21. September. Die erste Hlfte des Matthus-Evangeliums ist nach einem klaren systematischen Plan gegliedert. Von Kapitel 14 folgt es genau der Ordnung Markus. Dieser bildete seine Hauptvorlage, in deren Rahmen der brige Stoff eingebaut ist.

Moses, nach der berlieferung der Stifter der Jahwe-Religion als Bund zwischen Gott und Israel, und Befreier der Israeliten (um 1225 v. Chr.) aus dem Stamme Levi. Moses wurde als neugeborenes Kind ausgesetzt, von einer Tochter des Pharao gerettet und von Jahwe mit der Herausfhrung seines Volkes aus gypten beauftragt, die er mit gttlicher Hilfe vollbrachte. Nach der Gesetzgebung am Sinai und einem 40-jhrigen Wstenzug eroberte er das Land stlich des Jordan. Er starb auf dem Berg Nebo. Auf die ihm zuteil gewordene Offenbarung wurden allmhlich fast alle israelitischen Gesetze zurckgefhrt und im Pentateuch zusammengestellt. Die Geschichte Israels lsst an der Geschichtlichkeit Moses keinen Zweifel. Er hat den aus Gosen ausbrechenden israelitischen Stmmen den Kult des eiferschtigen, keinen anderen Gott neben sich duldenden Gottes von Sinai (Jahwe) als Volkskult bertragen und ist ihr prophetischer Fhrer gewesen.

Nahum, einer der 12 kleinen Propheten, dichtete 612 v. Ch. eine Dankliturgie auf den Fall von Ninive.

Obadja, (Obdias), ein nur durch das Buch Obadja bekannter kleiner Prophet im Alten Testaments. Die sehr kurze Schrift ist eine Spruch-Sammlung und wohl nach der Zerstrung Jerusalems (587 v. Chr.) entstanden. Sie verkndete das Heil Judas' und bedroht die Edomiter.

Hosea, (Osea), Israelitischer Prophet unter Jerobeam II und seinem Sohn (etwa 745 735 v. Chr.), wahrscheinlich Nordisraelit. Sein Buch steht an der Spitze der 12 Kleinen Propheten. Nach Hosea hat Israel zwei Hauptsnden begangen. Anstelle des Jahwe verehrte es in ausschweifender Weise die Baale und es hatte wider seines Gottes Willen ein Knigtum geschaffen. Hosea wurde zum Propheten durch seine selbstverleugnende Liebe zu seinem Weibe, das er nach ihrer Untreue zurckkaufte: genau so liebte Jahve das abgefallene Volk. ER wird es durch Vertreibung aus dem Kultland vom Baaldienst lsen und sich mit ihm in der Wste neu vermhlen.

Salomo, Knig des Israel und Juda umfassenden Reiches (etwa 965 -926 v. Chr.). Salomo wurde von seinem Vater David noch zu seinen Lebzeiten eingesetzt. Nachrichten ber seine Regierung sind teilweise durch Anekdoten erweitert. Durch den Ausbau von Grenzfesten, durch ausgedehnte diplomatische Beziehungen und Heiraten sicherte er den Bestand des Reiches. In der berlieferung gilt Salomo als das Idealbild eines weisen und mchtigen Herrschers. Allmhlich verlieh ihm die Vorstellung auch die Macht ber das Dmonenreich, das er mit einem zauberischen Siegelring beherrscht.

Samuel, Prophet und Richter in Israel. Er stammt aus Rama und wurde von seiner Mutter dem Heiligtum in Silo geweiht. Seine Mitwirkung bei der Stiftung des Knigtums Sauls wird verschieden dargestellt. Die beiden Bcher Samuels reichen von der Zeit Elis bis in die letzten Jahre Davids und enthalten wertvolle Reste vorexilischer Geschichtsschreibung.